Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Glosse

Skater machen Lärm – und Straßenbahnen und Autos nicht?

Side view of a boy with a skateboard on the street at dawn.
Getty Images
  • Drucken

Der Grazer Bürgermeister verbietet das Skaten auf innerstädtischen Plätzen. Hat er den Experten in der Pandemie nicht zugehört?

Die Pandemie bringt ja schon länger Auswüchse an absurden Regeln und Verboten, aber der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) möchte wohl gerne auch seinen Beitrag dazu leisten. Seit Kurzem ist das Skaten auf Grazer innerstädtischen Plätzen verboten. Grund ist eine Kampagne der FPÖ, die sich auf skaterlaerm.at über die Lärmbelästigung durch die Skater echauffierte.

Man beachte die Ausgangslage: Fitnessstudios sind zu, Boulderhallen sind zu, Tanzstudios sind zu, Yogastudios, Turnhallen, Tennisplätze, alles ist zu. Drinnen ging in den vergangenen Monaten gar nichts. Fußball soll man nicht spielen, weil zu viel Körperkontakt. Was bleibt einem also übrig? Richtig! Spazieren, laufen, Radfahren – und sich eben jedes rollbare Gefährt schnappen, um damit noch ein bisschen Spaß auf dem Asphalt zu haben. Die Zahl der Skateboarder, Rollerblader, Einradfahrer – sie hat in der Pandemie enorm zugenommen. Ein Phänomen, das nicht nur Graz betrifft, sondern jede Stadt - auch Wien. Was soll man denn bitte auch sonst tun, wenn nichts möglich ist?

Und jetzt verbietet der Bürgermeister auch noch das Skaten auf innerstädischen Plätzen. Da fragt man sich: Hat er den Experten nicht zugehört? Hat er nicht gelesen, wie die Jugendlichen in seiner Stadt unter der Pandemie leiden? Wie sie Magersucht entwickelt haben, depressiv wurden und nur mehr im Bett liegen, weil sie keine Perspektive mehr haben? Hat er nicht von den fettleibigen Kindern gehört, deren einzige Möglichkeit ist, ihr Leben zu kontrollieren, indem sie zu viel essen?

Nein, er hat wohl nur den Lärm gehört, den die Skater machen. Das ist ein bisschen seltsam: Denn: Hat er den Straßenlärm, den es etwa rund um die betroffenen Marktgebiete gibt, überhört? Was ist mit den Autos, den Bussen, den Straßenbahnen? Haben Sie schon einmal eine Straßenbahn in der Nähe ihrer Wohnung gehabt? Genießen Sie es.

Nachtruhe einhalten, Skaterzonen ausweisen

Es gebe auch eine Lösung. Man kann die Nachtruhe ab 22 Uhr einhalten. Dann braucht sich niemand über Durchschlafstörungen beschweren. Was Sachbeschädigung und Personengefährdung auf den Plätzen angeht, könnte man sogar mit Skaterzonen, die während der Pandemie dort gelten, kompensieren – und danach die Stellen reparieren. Das ist billiger als rasch einen ganzen Skaterpark zu bauen, von denen es in Graz offenbar nicht genug gibt. Langfristig muss man sich dann eh ein Konzept überlegen. Und nein, Skater irgendwohin an den Stadtrand zu verbannen, ist auch keine Lösung.

Es wird jetzt also einmal Zeit, die Bedürfnisse von jungen Menschen ernst zu nehmen. Und zwar genauso vollwertig als wären es Erwachsene oder alte Menschen, die man schützen muss. Diese junge Menschen sind die Steuerzahler von morgen. Dieses Land braucht sie gesund, fit und vor allem ohne psychische Erkrankung. Skaten ist ein Freizeitsport. Er macht Spaß, durch ihn schüttet man Endorphine aus. Er ist im Moment eine sehr gesunde Strategie, um in einer kranken Zeit zu überleben. Darauf wird man jetzt Rücksicht nehmen können.