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Steuerrecht/Steuerberatung

Beratung: „Es ist genug Arbeit da“

Anwalts-, Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzleien suchen intensiv nach flexiblen und hoch spezialisierten Mitarbeitern, sagen Katharina Kubik und Matthias Schulmeister.

Arbeit für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ist nachhaltig gesichert. Es ist genug Arbeit da. „Ob man in diesem Feld tätig sein will, ist eine Frage der Erwartungen“, sagt Matthias Schulmeister, Gründer und CEO eines auf Finanzberufe spezialisierten Management-Consulting-Unternehmens. Was er mit „Erwartungen“ meint: Natürlich ist die Arbeit als Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer ein spannendes Berufsfeld. „Wie in allen hochqualifizierten Berufsfeldern gibt es eine immer stärkere Spezialisierung.“ Diese Entwicklung zeige sich auch im Bereich der Wirtschaftstreuhandberufe. Das bedeutet erstens: Als einzelner Steuerberater ist es nur mehr sehr schwer möglich, die volle Breite der Beratung anzubieten. Zweitens: Steuerberater müssen sich spezialisieren oder vernetzen, um wettbewerbsfähig zu sein. Drittens: Einzelkämpfer werden sich zusehends in Netzwerken zusammenschließen und für spezielle Fragen mit anderen Spezialisten zusammenarbeiten.

An Arbeit wird es auch auf steuerrechtliche Themen spezialisierten Juristen in nächster Zeit nicht fehlen, sagt Katharina Kubik, Rechtsanwältin bei Freshfields Bruckhaus Deringer. Rund um die Maßnahmen, die eingeführt wurden, um die Folgen der Pandemie einzudämmen, wie Kurzarbeit, diverse Zuschüsse und Förderungen, erwartet sie eine Fülle von Rechtsfragen. Beispielsweise beim Unternehmenskauf, ob sich der Verkäufer hinsichtlich der angesprochenen Maßnahmen ordnungsgemäß verhalten habe. Daneben erwartet Kubik, dass es zu einer intensiveren Betriebsprüfungstätigkeit kommen wird, die in der Folge Rechtsstreitigkeiten nach sich ziehen kann.

Katharina Kubik (Freshfields Bruckhaus Deringer)
Katharina Kubik (Freshfields Bruckhaus Deringer)FBD

Der Bedarf an Steuerrechtlern im anwaltlichen Bereich werde daher zunehmen. „Die Ausbildung ist gut“, sagt Kubik, „und es gibt auch genug junge Juristinnen und Juristen, die einen wirtschaftlichen Fokus haben.“ Die Schnittstelle zwischen juristischen und wirtschaftlichen Themen sei eben attraktiv. Sie erfordere aber, weil das Steuerrecht besonders schnelllebig sei, hohe Lernbereitschaft und Flexibilität. Auch weil zu erwarten ist, dass das internationale Steuerrecht in wenigen Monaten in seinen Grundstrukturen geändert werden wird.

Übrigens: Nicht nur Anwalts-, Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzleien schielen auf die Berufsanwärter. Schulmeister sieht, dass viele der Anwärter – zum Teil noch vor der jeweiligen Prüfung – auf die Unternehmensseite wechseln und unter anderem Jobs in Controlling, Konzernrechnungswesen oder General Accounting annehmen.

Matthias Schulmeister (Schulmeister Management Consulting)
Matthias Schulmeister (Schulmeister Management Consulting)(c) Georg Wilke

Wie in anderen Branchen ist auch im anwaltlichen wie wirtschaftstreuhänderischen Bereich künstliche Intelligenz (KI) ein Thema. Etwa wenn es darum geht, Schriftsätze zu erstellen, Beweismaterial aufzuarbeiten, im Due-Diligence-Prozess Unterlagen zu sichten, Unregelmäßigkeiten aufzuspüren oder Daten zu erfassen. „Die Interpretation bleibt aber eine Sache, die Menschen erledigen“, sagt Schulmeister. Zumindest vorerst. Denn bis KI auch beraterische Leistungen erbringen kann, sollte dies je möglich sein, schätzt Schulmeister, werde es noch mindestens 15 bis 20 Jahre dauern. Kubik erlebt schon jetzt, wie KI in Legal Tech Einzug hält: „Wichtig ist daher, ein Grundverständnis für diese Technologien zu entwickeln.“

Buchhalter dringend gesucht

Was die Buchhaltung betrifft, stellt sich immer wieder die Frage, ob sie mit zunehmender Digitalisierung nicht verschwindet. Schulmeister sieht hier einen „information gap“, wie er sagt. Die öffentliche Diskussion darüber verunsichere: Tatsächlich sei die Nachfrage ungebrochen hoch. Gefragt sind vor allem Maturanten und HAK-Absolventen mit einigen Jahren Berufserfahrung sowie Bachelor- bzw. Masterabschluss für höher qualifizierte Aufgaben. Gute Kandidaten sollen nicht nur komplexe Systeme bedienen können, sondern auch parallel dazu die täglichen Aufgaben fachlich im Griff haben und sicheres Englisch sprechen. Diese Nachfrage zu befriedigen ist nicht einfach, sagt Schulmeister: „Die Anforderungen als Paket sind hoch.“


[RFOTG]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2021)