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Unterwegs

Belgiens „Plexigate“

Seit Samstag dürfen Belgiens Bars, Cafés und Restaurants endlich wieder Gäste bedienen.
Seit Samstag dürfen Belgiens Bars, Cafés und Restaurants endlich wieder Gäste bedienen.(c) imago images/Xinhua (Zheng Huansong via www.imago-images.de)
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„Plexigate“ wühlt die wunden Seelen von Belgiens Restaurateuren auf.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, haben wir hier in Belgien nach sieben Monaten pandemiebedingen Verbotes wieder etwas getan, was uns beinah schon utopisch erschien: Uns in einem Schanigarten bei zehn Grad und vier Windstärken ins Bier regnen lassen. Seit Samstag nämlich dürfen Belgiens Bars, Cafés und Restaurants endlich wieder Gäste bedienen, aber eben, wie gesagt, nur im Freien.

Vier Personen sind pro Tisch erlaubt, Sperrstunde ist um 22 Uhr. Bis Freitagnachmittag, also wenige Stunden vor Öffnung der Terrassen, galt landesweit die Ansicht, dass die Regierung es erlaubte, die Tische mittels Plexiglasscheiben voneinander zu trennen, statt stets zwischen jedem Sessel eineinhalb Meter Abstand zu wahren. Vor allem für kleinere Lokale entscheidet diese Frage darüber, ob die ohnehin nicht besonders einträgliche Öffnung im Freien wenigstens ein bisschen Ertrag einspielt.

Doch dann kam die kalte Dusche von Justizminister Vincent Van Quickenborne: Plexiglas ist verboten, verboden, interdit! Den Ärger all jener Wirte, die mit viel Mühe und finanziellem Einsatz solche Schutzwände installiert haben, um sie dann binnen weniger Stunden wieder abzubauen, kann man sich ausmalen. „Plexigate“ wurde binnen Kürze zum Trend auf Twitter, mehrere Bürgermeister erklärten, diese Vorschrift sicher nicht von der Polizei vollziehen zu lassen.

Originell ist übrigens der Grund für diese Farce: Minister Quickenborne gab zu, dass irgendeine arme Beamtenseele versehentlich den Passus mit dem Plexiglas aus einer entsprechenden Verordnung des vorigen Jahres kopiert hatte. Um es in den Lütticher Stoßseufzer zu fassen:

Oufti!

oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2021)