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NS-Zeit

Erinnerungen an 1938: Nach Shanghai und zurück

Ihre drei Kinder, zwölf Enkel und 25 Urenkel sind der ganze Stolz Susi Guttmanns.
Ihre drei Kinder, zwölf Enkel und 25 Urenkel sind der ganze Stolz Susi Guttmanns.Eugenie Sophie
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Susi Guttmann erzählt, wie sie den Anschluss erlebte, den Tempel brennen sah, vor den Nazis nach China flüchtete und ins antisemitische Wien zurückkam.

Ingeborg Guttmann, genannt Susi, kann sich auch noch 83 Jahre danach klar an diesen Moment erinnern: Am Abend des 11. März 1938, es ist ein Freitag, sitzt sie in ihrer Wiener Wohnung in der Ausstellungsstraße 1 vor dem knisternden Radio. Kurt Schuschnigg spricht. Um 19.37 Uhr erklärt der Bundeskanzler seine Kapitulation vor den Nazis. „Wir weichen der Gewalt“, sagt er, und: „Gott schütze Österreich.“ Die Eltern weinen. Susi versteht nicht warum. Sie ist ein Kind, eben erst acht Jahre alt geworden.

Hitlers Truppen marschieren ein. Österreich hört auf zu existieren. Bald nach dem „Anschluss“ gelten die Nürnberger Rassengesetze. Die Jagd auf Juden beginnt. Susi sieht, wie ihr Vater am Praterstern knieend Kruckenkreuze des untergegangenen Ständestaats vom Asphalt reiben muss. Ihr nächstes Erinnerungsblitzlicht fällt auf einen Sonntag, den Tag, an dem sich Susis Eltern immer das Frühstück ans Bett bringen lassen.