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Virtuelles "Fest der Freude" im Zeichen der "vernichteten Vielfalt"

Zeitzeugin Katja Sturm-Schnabl
Zeitzeugin Katja Sturm-SchnablMKÖ
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Die Veranstaltung des Mauthausen Komitees widmete sich dem Schwerpunkt "Vernichtete Vielfalt". Bundespräsident Van der Bellen appellierte: „Niemals wieder ist ein Auftrag, den wir jeden Tag ernstnehmen müssen“.

Das „Fest der Freude“ fand heuer aufgrund der Covid-19-Pandemie bereits zum zweiten Mal virtuell statt. Das Mauthausen Komitee setzt mit dieser Veranstaltung – am „Tag der Befreiung“ – ein Zeichen für ein „Niemals wieder“ und gedenkt den Opfern des Nationalsozialismus. Das „Fest der Freude“ war im Livestream unter www.festderfreude.at und in „ORF III" zu sehen.

Am 8. Mai 2021 jährte sich zum 76. Mal die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht. An diesem Tag veranstaltete das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) im Gedenken an die Opfer und die Freude über die Befreiung der NS-Terrorherrschaft bereits zum neunten Mal das „Fest der Freude".

Die virtuelle Veranstaltung widmete sich im Jahr 2021 dem inhaltlichen Schwerpunkt "Vernichtete Vielfalt" und erinnert damit an die Vielfalt der Opfergruppen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, interniert und ermordet wurden.

„Vielfalt als Bereicherung"

Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich, eröffnete die Veranstaltung: „Das Wesen des Nationalsozialismus war nicht nur Vielfalt abzulehnen, sondern Vielfalt zu vernichten. Aber wir haben es geschafft, eine Nachkriegsgesellschaft zu bauen, die konträr zu dem steht, wie die Nazis agierten, die Vielfalt als Bereicherung sieht.“

Danach folgten Reden der Zeitzeugin Katja Sturm-Schnabl und von Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Katja Sturm-Schnabls Familie gehört der Volksgruppe der Kärntner Slowenen an. Im April 1942 wurde sie von den NS-Behörden deportiert und ins Lager Ebenthal bei Klagenfurt gebracht. Erst nach 1945, im Alter von neun Jahren, ist es ihr erstmals möglich, die Schule zu besuchen. In Wien studiert sie später Slawistik, südslawische Literatur und Kunstgeschichte.

Zeitzeugin: „Auch heute Kinder wieder in Lagern"

„Wenn ich an die Lagerzeit zurückdenke, dann erinnere ich mich auch, wie sehr wir Kinder daran glaubten, dass es dort draußen außerhalb der Lagermauern Menschen gibt, die von uns wissen, die uns helfen wollen, die uns befreien werden. Auch heute, gerade heute, befinden sich Kinder wieder in Lagern. Es sind die Flüchtlings- und Migrationskinder, unschuldige Kinder, deren Eltern vor Krieg und Elend flohen. Und auch für diese Kinder sind die Menschen, die draußen leben in der freien Welt, die einzige Hoffnung, Hoffnung auf Hilfe und Empathie“, so Sturm-Schnabl in ihrer Rede.

Bundespräsident Van der Bellen sagte: „Niemals wieder ist ein Auftrag, den wir jeden Tag ernstnehmen müssen. Das heißt, heute und in Zukunft entschieden gegen jede Form von Rassismus und Antisemitismus einzutreten.“ Er pochte aber auch auf die Stärke der Gegenwartsgesellschaft: „Der Geist der Gemeinsamkeit und Solidarität ist es, der uns in Europa nach 1945 eine lange Periode des Friedens gesichert hat. Ich denke, eine unserer größten Stärken ist die Vielfalt. Und sie ist ein Schatz, der uns alle reicher macht.“

Kurz: Auftreten gegen „jede Form des Hasses"

An die "Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus" als "dunkelstes Kapitel unserer österreichischen Geschichte", erinnerte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in einer Video-Ansprache im ORF. Österreich trage an diesen Gräueltaten Mitschuld, so Kurz: "Diese Kultur der Erinnerung hat in Österreich lange, wohl zu lange, auf sich warten lassen. Dafür soll sie uns heute umso gegenwärtiger sein." Es brauche entschlossenes Auftreten gegen Antisemitismus und "gegen jede Form des Hasses". Zudem betonte der Kanzler die "historische Verantwortung" Israel gegenüber, die nicht an "unseren Landesgrenzen" ende. "Israel ist einer unserer wichtigsten Partner weltweit", so Kurz.

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) gedachte in seiner Ansprache jener Österreicher, die gegen das Unrechtsregime und für die Befreiung ihrer Heimat gekämpft haben. Angesichts der Frage, wie hätten wir damals gehandelt, müsse der Respekt für jene Menschen, die sich unter Einsatz ihres Lebens gegen den Nationalsozialismus gewendet haben, umso größer sein, so Kogler: "Ihnen sagen wir danke." 76 Jahre nach der Befreiung glaube er daran, dass Österreich ein zukunftsreiches Land ist. Zudem betonte Kogler die Gewissheit, dass "Nie wieder auch nie wieder bedeuten muss."

Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) kündigte am Samstag die Umsetzung der im Regierungsprogramm vorgesehenen Erweiterung der finanziellen Rahmenbedingungen des Dokumentationsarchiv (DÖW) an. Das Ministerium wird die erforderlichen Personal- und Infrastrukturkosten zur Einrichtung einer Forschungsstelle Rechtsextremismus und Antisemitismus zur Verfügung stellen, hieß es.

(APA/Red.)