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Vorwürfe überprüft

HGM-Bericht: Keine rechtsextreme Literatur im Museumsshop

Blick ins Heeresgeschichtliche Museum.
Blick ins Heeresgeschichtliche Museum.(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Was bietet das Heeresgeschichtliche Museum zum Verkauf an? Am Montag präsentierte Ministerin Tanner einen Bericht, bei 72 Prozent der Publikationen gab es "keine Einwände“.

Der Rechnungshofbericht zum Heeresgeschichtliche Museum (HGM) im vergangenen Herbst war voll massiver Kritik. Bei einer Vor-Ort-Prüfung in einer Außenstelle stießen die Prüfer etwa auf einen Bunker voll mit Panzer-Ersatzteilen unbekannter Herkunft. Das Museum habe keinen Überblick über die eigene Sammlung, hieß es. Das Inventarverzeichnis sei unvollständig und man wisse gar nicht, was vorhanden sei - und was nicht.

Der Bericht hatte eine schon länger laufende Diskussion über das HGM weiter befeuert; das Museum war in den vergangenen Jahren schon mit einer Reihe von Vorwürfen konfrontiert. Der schwerwiegendste: Es verbreite ein revisionistisches Geschichtsbild, im Museumsshop würde Nazi-Devotionalien verkauft sowie Literatur, die die Wehrmacht verherrliche.

Am heutigen Montag präsentierte nun die zuständige Ministerin Klaudia Tanner (ÖVP) einen weitere Bericht - eben einen über das Warenangebot im Museumsshop. Das Ergebnis: Im Warenangebot des Shops des Heeresgeschichtlichen Museums befindet sich nichts, was strafrechtlich belangbar wäre. Bei je ein Prozent der angebotenen Publikationen empfiehlt der "Mueller-Bericht" aber eine Entfernung aus inhaltlichen Gründen bzw. Verzicht auf Nachbestellung. "Die Vorwürfe haben sich als haltlos erwiesen", resümierte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP). "Klar ist aber auch: Manches ist veraltet und vieles gilt es zu verbessern."

Das Ergebnis zeige, "wie unglaublich wichtig es ist, dass man Vorwürfen genau nachgeht", sagte Tanner. 639 Objekte im Souvenirangebot hat die fünfköpfige Kommission, die fünfmal tagte, stichprobenartig überprüft, sowie bei den 927 Titeln der angebotenen Publikationen genauer hingesehen.

Kriegsverbrechen und Holocaust stärker berücksichtigen

Bei 72 Prozent der Publikationen gab es "keine Einwände", bei 10 Prozent wurde ein Überwiegen von waffentechnischen Aspekten festgestellt, andere wurden nicht näher untersucht, weil sie etwa Publikationen des HGM selbst waren. "Die Zusammensetzung des Sortiments ist breit und divers", resümierte der Vorsitzende des Militärhistorischen Beirates, Wolfgang Mueller seinen Bericht, jedoch seien "kritische Minderheiten- und Opferperspektiven" insgesamt "etwas unterrepräsentiert", waffentechnische Aspekte dagegen überrepräsentiert.

Daher empfiehlt die Kommission eine Ergänzung des Angebotes, um etwa die Themen Kriegsverbrechen und Holocaust stärker zu berücksichtigen, und hat dazu eine eigene Vorschlagsliste erarbeitet. "Ein breiteres Angebot wäre wünschenswert", so Mueller, der gleichzeitig betonte: "Publikationen mit rechtsextremen Inhalten wurden von der Kommission nicht identifiziert."

Für Tanner ist das HGM "ein sehr erfolgreiches Museum", dessen Besucherzahlen in den vergangenen Jahren stark gestiegen seien, das aber teilweise bis auf 1955 zurückgehende "Mängel und Problemfelder" aufweise. Die Umsetzung der RH-Empfehlungen sei am Laufen, die Empfehlungen des Mueller-Berichts sollen rasch umgesetzt werden. Als nächstes werde ein neues Gesamtkonzept erarbeitet, auf dessen Grundlage voraussichtlich im Herbst die Neu-Ausschreibung des Direktorenpostens erfolgen soll, den M. Christian Ortner nach wie vor innehat, obwohl sein Vertrag bereits seit längerem ausgelaufen ist. Das Heeresgeschichtliche Museum soll einen ständigen wissenschaftlichen Beirat erhalten. Tanner kündigte auch die Investition von zusätzlichen 4,3 Mio. Euro für Modernisierung und Digitalisierung des Museums an.

Berichte

Nach einem kritischen Rechnungshof-Bericht wurden im vergangenen Jahr mehrere Evaluierungskommissionen damit beauftragt, den Shop, den Saal zur Geschichte 1918-1945 sowie das ganze Haus zu evaluieren. Anfang Februar dieses Jahres wurde der Evaluierungsbericht der so genannten "Muchitsch-Kommission" präsentiert.

 

(red.)