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Jahresbilanz

Agrana-Langzeit-Chef Marihart zieht ein letztes Mal Bilanz

letze Bilanz
Johann Marihart legt seine letze BilanzElke Mayr / WB
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Wechsel in der Chefetage bei Agraga: Markus Mühleisen übernimmt das Ruder. Johann Marihart verabschiedet sich mit einem soliden Ergebnis im schwierigen Covid-Jahr.

Der börsennotierte Agrana-Konzern will bis 2040 klimaneutral werden. Dafür sind insgesamt Investitionen von 400 Millionen Euro geplant, wurde bei der Bilanzpressekonferenz des Frucht-, Stärke- und Zuckerunternehmens am Dienstag angekündigt - der letzten von Langzeitchef Johann Marihart. Der CO2-Ausstoß des weltweit tätigen Konzerns belief sich zuletzt (direkt und indirekt) auf 740.000 Tonnen/Jahr. Klimaneutralität bedeute ab 2040 "null CO2 aus fossilen Brennstoffen" auszustoßen.

Zwischenziel bis 2025 ist eine Reduktion der konzernweiten CO2-Emissionen um 25 Prozent. Dafür werden in den kommenden Jahren jeweils 10 Mio. Euro investiert. Zwei Zuckerfabriken - eine in der Slowakei und eine in Tschechien - werden derzeit noch mit Kohle betrieben. Der Kohleausstieg erfolgt in der Slowakei noch heuer, in Tschechien im Geschäftsjahr 2025/26. Der Umstieg auf Grünstrom soll insgesamt mit der verstärkten Nutzung von Biomasse gelingen, auch "grünere" Rohstoffreste sollen in der Zukunft verarbeitet werden.

Nüchtern und sachlich, wie es Journalisten über viele Jahre gewohnt waren, zog der Langzeitchef auch seine letzte Bilanzpressekonferenz durch. "Ich wünsche meinen Kollegen, meinen Nachfolgern alles Gute", sagte Marihart. "Ich denke, dass die Basis gut gelegt ist auf der einen Seite. Auf der anderen Seite muss Erfolg täglich neu errungen werden. Ich wünsche eine gute Hand dabei." Der 70 Jahre alte Manager wird per Anfang Juni von Markus Mühleisen (54) als Agrana-Generaldirektor beerbt. Dieser war zuletzt Manager bei der Molkereigenossenschaft Arla Foods in Deutschland, hat zuvor unter anderem auch schon für Nestle gearbeitet.

Mit Marihart verliert der Konzern, der heuer sein 30-jähriges Börsenjubiläum begeht, ein echtes Urgestein. Der Niederösterreicher gilt als einer der längstdienenden Firmenchefs in Österreich. Ab der Gründung der Agrana 1988 war Marihart im Vorstand, ab 1992 fungierte er als Vorstandsvorsitzender.

Marihart sagte zum Ausblick aufs letzte Geschäftsjahr, das er noch als Manager begonnen hat, dass 2021/22 weiterhin von den Herausforderungen der Coronapandemie geprägt sein werde. "Aber dennoch erwarten wir einen deutlichen EBIT-Anstieg in diesem Geschäftsjahr." Für den Konzernumsatz werde ein moderater Anstieg erwartet. Wie über viele Jahre werde das Investitionsvolumen mit mehr als 110 Millionen Euro neuerlich über dem Abschreibungsvolumen von 91 Millionen Euro liegen. "Und wir sind nach wie vor überzeugt, dass die Agrana wegen ihrer soliden Bilanz, der Konzernstruktur und ihrer Diversifikation gut aufgestellt ist", sagte der scheidende Agrana-Chef.

Rund um den Globus investiert

Über die vergangenen zehn Jahre hat die Agrana insgesamt 1,2 Milliarden Euro in Österreich und rund um den Globus investiert. Im Fruchtbereich liegt ihr Weltmarktanteil bei mehr als 40 Prozent. Die Fruchtzubereitungen werden hauptsächlich in Milchprodukte gemischt, aber auch in Mehlspeisen.

Beim Zucker gelang im Vorjahr der Erhalt der wackelnden Zuckerfabrik in Leopoldsdorf bei Wien. Man zeigte sich optimistisch, dass die kontrahierte und laut Konzern notwendige Anbaufläche von mehr als 38.000 Hektar Zuckerrüben gehalten werden könne. Bemühungen etwa den Schädling Rübenderbrüssler zurückzudrängen würden greifen. Millionen Käfer wurden in Pheromonfallen gelockt und konnten sich nicht vermehren. Heuer wird weiter mit solchen Fallen gearbeitet. Das feucht-kühle Wetter half heuer bisher ebenso.

Der Agrana-Gewinn ist im Jahresvergleich deutlich gestiegen - um 76,3 Prozent auf 55 Millionen Euro. Mit ein Grund war allerdings, dass der ursprünglich im Vorjahr mit 51,3 Millionen Euro angegebene Gewinn im Nachhinein nach einer Prüfung der Österreichischen Prüfstelle für Rechnungslegung (OePR) angepasst werden musste und um 20,1 Millionen Euro auf 31,2 Millionen Euro absank. Die Werthaltigkeit des der zahlungsmittelgenerierenden Einheit Zucker zugeordneten Firmenwertes in der Höhe von 20,1 Millionen Euro konnte nicht nachgewiesen werden, erläuterte Agrana-Finanzvorstand Büttner.

Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) stieg um 17,6 Prozent auf 78,7 Millionen Euro. Das operative Ergebnis blieb mit 73,1 Millionen Euro stabil. Der Umsatz kletterte um 2,7 Prozent  auf nunmehr 2,55 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie stieg von 0,45 Euro auf 0,96 Euro. Der Dividendenvorschlag für heuer lautet auf 0,85 Euro je Aktie. Die Vorjahresdividende lag bei 0,77 Euro.

 

(APA)