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In Existenz bedroht

Politprominenz fordert: "Die 'Wiener Zeitung' muss weiterleben"

FORTBESTAND DER ´WIENER ZEITUNG´ NICHT GESICHERT
Die "Wiener Zeitung" ist die älteste Tageszeitung der Welt(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Die Pflichtveröffentlichungen in der "Wiener Zeitung" sollen abgeschafft werden, das würde ihren Ruin bedeuten. Nun haben prominente (ehemalige) Politiker eine Deklaration für ihre Rettung unterzeichnet, von Fischer über Vranitzky, Molterer bis Pröll.

Die von der türkis-grünen Bundesregierung geplante Einstellung der "Wiener Zeitung" stößt auf Widerstand. Eine ganze Reihe von ehemaligen Kanzlern, Vizekanzlern, Ministern, Landeshauptleuten und weiterer Politprominenz quer über alle Parteigrenzen hinweg für den Erhalt der "Wiener Zeitung" stark: In einer Deklaration haben sie sich an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) gewandt und fordern: "Die 'Wiener Zeitung' muss weiterleben".

Ex-Innenminister Karl Schlögl (SPÖ) hat die Initiative gestartet. Unterstützt wird diese von den ehemaligen Bundeskanzlern Franz Vranitzky, Alfred Gusenbauer und Christian Kern (alle SPÖ), den Ex-Vizekanzlern Erhard Busek (ÖVP), Herbert Haupt (FPÖ/BZÖ), Wilhelm Molterer (ÖVP) und Reinhold Mitterlehner (ÖVP), den früheren Landeshauptleuten Michael Häupl (SPÖ), Erwin Pröll (ÖVP), Hans Niessl (SPÖ) und Christof Zernatto (ÖVP). Zu weiteren Mitstreitern für den Fortbestand der Tageszeitungen zählen zahlreiche ehemalige Ministerinnen und Minister von SPÖ und ÖVP, von Claudia Bandion-Ortner über Brigitte Ederer bis zu Maria Rauch-Kallat, Ex-EU-Kommissar Franz Fischler, Terezija Stoisits von den Grünen, Heide Schmidt (FPÖ/Liberales Forum) sowie Ex-Bundespräsident Heinz Fischer.

Ohne Amtsblatt kann "Wiener Zeitung" nicht überleben

Die älteste Tageszeitung der Welt ist in ihrer Existenz bedroht, denn mit 2022 sollen die Pflichtveröffentlichungen im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" abgeschafft werden – ohne diese Einnahmen würde die Zeitung nicht überleben.

Die "Wiener Zeitung" steht zu 100 Prozent im Eigentum der Republik Österreich. Kanzler Kurz sieht die Zukunft der Zeitung als digitales schwarzes Brett der Republik und als zentrale elektronische Verlautbarungs- und Informationsplattform. Die gedruckte Zeitung spielt in den türkisen Überlegungen keine zentrale Rolle mehr. Politische PR statt Journalismus lautet das Konzept.

Ehemalige Politikerinnen und Politiker plädieren nun in einer gemeinsamen Erklärung für den Fortbestand des Mediums. "Jede Stimme weniger am Zeitungsmarkt ist ein Verlust an Meinungsvielfalt und Medienpluralismus, und das in einer Zeit, in der ein faktenorientierter, nüchterner und unabhängiger Qualitätsjournalismus wichtiger ist denn je", heißt es in einer "Deklaration", die am Montag an Kurz und Kogler übermittelt wurde.

Die "Wiener Zeitung" habe sich als "Gegenkraft zu den hyperschnellen, emotionsgetriebenen Schlagzeilen, die unentwegt auf die Menschen einprasseln und mehr verwirren und verwischen als aufklären und informieren, außerordentlich bewährt". Das Ende der Tageszeitung wäre deshalb "ein schwerer Verlust". Die Ex-Politiker weisen darauf hin, dass jährlich mehr als 220 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln an Medien gingen, mit rund zehn Millionen könnte die Zukunft der Tageszeitung gesichert werden.

"Wir erwarten, dass die Bundesregierung als Eigentümerin der 'Wiener Zeitung' im Interesse von Meinungsvielfalt und Qualitätsjournalismus den Fortbestand dieser wichtigen Stimme am Zeitungsmarkt unterstützt und sicherstellt. Die 'Wiener Zeitung' muss weiterleben", so der Schlussappell der Initiative.

Presseclub Concordia sprach sich für Treuhand-Lösung aus

Erst am Montag hatte sich der Presseclub Concordia für eine temporäre Treuhand-Lösung zur Rettung der "Wiener Zeitung" ausgesprochen. Demnach soll die Republik die Eigentümerschaft an eine noch zu gründende Treuhandgesellschaft übertragen, die ein nachhaltiges Geschäftsmodell samt neuem Eigentümer aufstellen soll. Finanzielle Einbußen durch das geplante Aus von Pflichtinseraten sollen für mindestens drei Jahre ersetzt werden. Auch etliche Wissenschafter sowie Prominenz aus Wirtschaft und Kultur haben die Bundesregierung zum Erhalt des Blatts aufgefordert.

(APA)