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Morgenglosse

Wann bekommen endlich alle die Chance auf einen Impftermin?

CORONA: IMPFSTRASSE AUSTRIACENTER
APA/HERBERT NEUBAUER
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Mittlerweile wird wohl jeder jemanden kennen, der geimpft wurde, obwohl er eigentlich noch gar nicht an der Reihe war.

Mittlerweile kennt sie wohl jeder. Die Glücklichen, die schon geimpft sind, weil etwas übrig geblieben ist. Die Verwandten, die sich dank eines Attests zur offenbar doch recht dehnbaren „Risikogruppe" zählen dürfen. Die Bekannten, die jemanden begleitet haben und den Stoff dann auch gleich erhalten haben (obwohl so etwas laut offiziellen Angaben ja gar nicht möglich sein soll). Die Freunde, die es geschafft haben als „systemrelevant" vorgereiht zu werden, obwohl sie ihren Job seit Beginn der Coronakrise ausschließlich im Home Office ausüben.

Gute Gründe, vor anderen geimpft zu werden, gibt es natürlich genug, auch wenn sie nicht immer auf der Priorisierungsliste stehen. Ein Beispiel: Eltern von schulpflichtigen Kindern sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Warum sollten sie sich nicht noch vor den Sommerferien um einen Termin bemühen dürfen, und sei es über ein Schlupfloch? Und überhaupt: Wer findet sich eigentlich noch zurecht in diesem Priorisierungsdschungel? Also besser man selbst ergattert die Impfdosis als jemand, der sie dann am Ende noch weniger verdienen würde. Oder?

Was auch wahr ist: Es gibt immer noch jene, die nicht informiert oder vernetzt genug sind und jene, die sich weiter brav hinten in der Schlange anstellen. Da schmerzt dann halt jeder Stich, den jemand im Bekanntenkreis erhalten hat, ein kleines bisschen mehr. Vor allem dann, wenn man selbst noch nicht einmal die Aussicht auf einen Termin hat. Das stellt den ohnehin angespannten sozialen Frieden auf die Probe und bedeutet für manche ein echtes moralisches Dilemma, das von anderen dann noch flapsig als „Impfneid“ abgetan wird.

Großer Verwaltungsaufwand

Hinzu kommen der Verwaltungsaufwand und der damit einhergehende Zeitverlust. Zahlreiche Ärzte und andere Experten fordern daher schon seit Wochen, die Priorisierung aufzuheben. Genug Impfstoff sollte bald da sein, dieser sollte dann auch schnell und effizient verteilt werden können. Niederösterreich und Vorarlberg haben bereits entschieden, Termine an alle Über-16-Jährigen zu vergeben. Die anderen Bundesländer sollten so bald wie möglich nachziehen. Macht das die Vergabe gerechter? Darüber lässt sich genauso gut streiten wie über die Sinnhaftigkeit der Priorisierung. Worüber aber Einigkeit herrschen sollte: In einer Pandemie gilt es, keine Zeit zu verlieren.

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