Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Social-Media

Italien: TikTok muss Kinder mehr schützen

Besonders unter Kindern ist TikTok beliebt.REUTERS
  • Drucken

Die italienische Datenschutzbehörde fordert TikTok auf, Maßnahmen zu setzen, um zu verhindern, dass Kinder auf die Plattform zugreifen. Zuvor war eine Zehnjährige bei einer TikTok-Challenge gestorben.

Sie starb, weil sie sich an einer Challenge auf der Video-Plattform TikTok beteiligte. Sie strangulierte sich so lange bis im Krankenhaus nur noch ihr Tod festgestellt werden konnte. Der Fall nährte in Italien die Diskussion über altersbedingte Smartphone-Einschränkungen. Die italienische Datenschutzbehörde hat die Video-Sharing-App TikTok aufgefordert, die Maßnahmen zu verstärken, um zu verhindern, dass junge Nutzer auf die Plattform zugreifen. In den vergangenen drei Monaten hat TikTok bereits mehr als 500.000 Nutzer unter 13 Jahren von der Plattform entfernt.

Anfang Februar hatte TikTok mit den italienischen Behörden vereinbart, neben anderen Maßnahmen alle Nutzer zu sperren, die ihr Alter mit unter 13 Jahren angegeben hatten. Zudem wurde gegen eine 48-jährige TikTok-Nutzerin wegen Anstiftung zum Selbstmord ermittelt. Sie soll die Challenges ins Leben gerufen haben, um mehr Follower zu gewinnen. Der Beschluss wurde nach dem Tod der Zehnjährigen gefasst. Der chinesische Anbieter Bytedance geriet nicht zum ersten Mal in heftige Kritik.

Derartige "Mutproben" kommen bei Jugendlichen häufig vor. Bei manchen risikoreichen Wettbewerben würden Grenzen überschritten, um sich mit Gleichaltrigen zu messen und Anerkennung zu erhalten, warnen Jugendschützer. Das verlagere sich immer stärker in die sozialen Netzwerke.

Soziologen und Pädagogen warnen vor den großen Gefahren für Kinder bei freiem Zugang zum Internet. Der Soziologe Francesco Pira betonte, dass immer mehr Kinder und Jugendliche wegen des Coronavirus-Notstands und dem starken Zugriff zur Ferndidaktik stundenlang vor dem PC oder mit ihren Smartphones allein gelassen werden. Viele Eltern und Lehrer seien sich der Gefahren nicht bewusst, die für Kinder im Internet lauern. "Viele Eltern kennen nicht einmal TikTok, das monatlich eine Milliarde Nutzer weltweit hat", sagte Pira.

>>> "Politik, Schule, Eltern: Medienkompetenz geht alle an" [premium]

Thomas-Gabriel Rüdiger im Gespräch mit der "Presse": Das richtige Smartphone-Alter gibt es nicht, aber: „Wann würden Sie Ihr Kind allein in die Schule gehen lassen? Wohl nur dann, wenn Sie sicher sind, dass es die Regeln beherrscht. Das setzt voraus, dass Sie selbst die Gefahren kennen und weitergeben können. Ähnlich ist das mit dem Handy.“

Keine ausreichenden Ergebnisse

"Die ergriffenen Maßnahmen haben zwar bedeutende, aber noch nicht ausreichende Ergebnisse gezeitigt", so Italiens Datenschutzbehörde in einer Erklärung. Die Behörde forderte TikTok auf, alle Konten von Nutzern unter 13 Jahren innerhalb von 48 Stunden zu löschen, den Zugang für junge Nutzer zu erschweren und Kommunikationsinitiativen zu starten, die erklären, dass die Plattform nicht für Kinder unter 13 Jahren geeignet ist.

Sie forderte die App außerdem auf, auch mit Einsatz künstlicher Intelligenz Lösungen zu finden, die das Risiko minimieren, dass Menschen unter 13 Jahren in die Plattform von TikTok einsteigen und sie nutzen. Seit Februar habe TikTok mehr als 12,5 Millionen Nutzer in Italien aufgefordert, ihr Alter zu bestätigen, sagte die Behörde.

"Nach laufenden Gesprächen mit der Regulierungsbehörde seit Anfang des Jahres testen wir zusätzliche Maßnahmen, um sicherzustellen, dass nur Jugendliche, die mindestens 13 Jahre alt sind, TikTok nutzen können", sagte Alexandra Evans, Leiterin von TikToks Kindersicherheit Europa, in einer Erklärung.

Zuckerberg plant Instagram für Kinder

Die Altersbeschränkungen auf den Sozialen Netzwerken werden nicht nur bei TikTok lasch bis gar nicht kontrolliert. Für Instagram plant der Facebook-Gründer nun eine eigene Version. Unter Datenschützern regt sich Besorgnis, wie diesen Kinder eine geschützte, werbefreie Plattform ermöglicht werden soll.

 

(bagre)