Nahost-Konflikt

Weißes Haus schickt Diplomaten nach Israel

US-Außenminister Antony Blinken
US-Außenminister Antony BlinkenAPA/AFP/POOL/ANDREW HARNIK
  • Drucken

Die US-Regierung will in Israel vermitteln, der UN-Sonderbeauftragte warnt vor einem Krieg. AUA, Lufthansa und British Airways streichen ihre Flüge nach Tel Aviv.

Wien/Washington. Die US-Regierung zeigt sich zutiefst besorgt über die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern und rief die Konfliktparteien eindringlich zur Deeskalation auf. US-Außenminister Antony Blinken sagte am Mittwoch in Washington, er habe den für israelische und palästinensische Angelegenheiten zuständigen Spitzendiplomaten Hady Amr darum gebeten, umgehend in die Region zu reisen und sich mit führenden Vertretern beider Seiten zu treffen.

Amr werde auch im Namen von US-Präsident Joe Biden auf eine Deeskalation der Gewalt drängen. Blinken verurteilte die Raketenangriffe der „Terrororganisation Hamas“ aus dem Gazastreifen auf israelische Zivilisten auf das Schärfste. „Israel hat das Recht, sich zu verteidigen“, sagte er. „Die Palästinenser haben ein Recht darauf, in Sicherheit zu leben. Und das Wichtigste ist jetzt, die Gewalt einzudämmen.“

 

Die EU zeigt sich „bestürzt“

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat von Israel Augenmaß bei der Reaktion auf die Angriffe aus dem Gazastreifen gefordert. „Das willkürliche Abfeuern von Raketen der Hamas und anderer Gruppen gegen israelische Zivilisten ist inakzeptabel“, teilte er am Mittwoch mit. Zugleich müsse die Reaktion darauf „verhältnismäßig und mit größtmöglicher Zurückhaltung bei der Anwendung von Gewalt erfolgen“. Die EU sei „bestürzt über die zahlreichen toten Zivilisten und Verletzten, darunter auch Kinder“, erklärte Borrell. Die EU fordere daher ein sofortiges Ende der Gewalt

Der UN-Sonderbeauftragte für den Nahost-Friedensprozess, Tor Wennesland, warnte den UN-Sicherheitsrat vor einem großen Krieg in der Region. Mehrere Politiker haben in den vergangenen Tagen zu einem Ende der Gewalt im Nahen Osten aufgerufen, darunter der britische Premier Boris Johnson, der deutsche Außenminister Heiko Maas, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der russische Präsident Wladimir Putin. China forderte den UN-Sicherheitsrat zum Handeln auf.

Auch der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Mittwoch vor dem Ministerrat die Raketenangriffe auf Israel „scharf verurteilt“. Gleichzeitig betonte er ebenfalls das Recht Israels auf Selbstverteidigung. Bundespräsident Alexander Van der Bellen teilte dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin telefonisch seine Sorge mit.

Österreichs Bischöfe haben bei den Christi-Himmelfahrts-Gottesdiensten am Donnerstag zum Gebet für Frieden im Heiligen Land aufgerufen. Die „schmerzlichen Nachrichten“ aus Israel und Palästina seien „erschütternd“, sagte Kardinal Christoph Schönborn im Wiener Stephansdom.

 

Keine Flüge nach Tel Aviv

Unterdessen strichen Austrian Airlines, Lufthansa und British Airways wegen des neu aufgeflammten Nahost-Konflikts alle Flüge von und nach Tel Aviv.

„Aufgrund der erhöhten Sicherheitslage in Israel wird Austrian Airlines die Flüge nach Tel Aviv bis einschließlich 14. Mai aussetzen. Die Sicherheit unserer Passagiere sowie unserer Crews hat natürlich oberste Priorität“, teilte die AUA der APA mit. Die Flüge sollen am Samstag wieder aufgenommen werden. (APA/zot)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2021)

Mehr erfahren

Nahost

Gaza-Krieg: Die letzten Meter zur Waffenruhe

Israel

Der Gaza-Krieg spielt Netanjahu innenpolitisch in die Hände

Analyse

China will Vermittlerrolle im Nahen Osten übernehmen

Nahost

Israels Strategie gegen die Hamas

Tel Aviv

Israel: Auf der Flucht vor dem Raketenhagel

Nahost

Israels Kampf an drei Fronten

Analyse

Der verdrängte Nahost-Konflikt bricht entlang neuer Linien auf

Konflikt

Israel bereitet Boden­offensive in Gaza vor


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.