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Essenszusteller

Harter Wettkampf bei Zustellern

Delivery Hero kehrt nach Deutschland zurück und ruft die Konkurrenz auf den Plan.
Delivery Hero kehrt nach Deutschland zurück und ruft die Konkurrenz auf den Plan.REUTERS
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Delivery Hero kehrt nach Deutschland zurück und ruft die Konkurrenz auf den Plan.

Berlin. Der Essenslieferdienst Delivery Hero will nach zweijähriger Abwesenheit Deutschland zurückerobern. Angesichts der strategischen Kehrtwende des zuletzt vor allem auf Asien und den Nahen Osten fokussierten Anbieters holte die Konkurrenz umgehend zum Gegenangriff aus. Wie Delivery Hero am Mittwoch ankündigte, werden unter der Marke Foodpanda ab Juni zunächst in Berlin Restaurant-Essen, Lebensmittel und andere Supermarktprodukte ausgeliefert. Ab August sollen weitere Städte folgen. „Wir gehen davon aus, ein Produkt anbieten zu können, mit dem wir die Nummer eins langfristig herausfordern können“, sagte Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg.

Das ließ der Lieferando-Eigner und Käufer des Deutschland-Geschäfts von Delivery, Just Eat Takeaway, nicht unbeantwortet. Takeaway-Chef Jitse Groen gab bekannt, nun in der Bundesrepublik auch Lebensmittel aus Supermärkten auszuliefern.

Indes macht auch der US-Essenslieferdienst Uber Eats seine Ankündigung wahr und geht zunächst in Berlin an den Start.

Auf dem Aktienmarkt kamen die kapitalintensiven Pläne nicht gut an. Die Papiere von Delivery Hero und Just Eat Takeaway fielen deutlich.

In der Zeit der Abwesenheit von Delivery Hero hat sich Just Eat Takeaway in Deutschland als Branchenprimus etabliert. Von Jänner bis März kletterte die Zahl der Bestellungen angesichts geschlossener Restaurants um 77 Prozent auf 39,2 Millionen. Das niederländische Unternehmen spricht von zwölf Millionen Kunden in der Bundesrepublik, die nun in 50 Städten über eine Art Super-App auch Lebensmittel bestellen können. Damit konkurrieren Delivery Hero und Lieferando nicht mehr nur wieder miteinander, sondern auch mit rasant wachsenden Liefer-Start-ups wie Gorillas oder Flink, die auf großen Finanzpolstern sitzen und ebenfalls vom Online-Bestellboom in der Pandemie profitieren.

Vor allem bei der Lieferzeit sind Kunden zuletzt anspruchsvoller geworden, wozu auch Gorillas beitrug, das erst im März bei Investoren 244 Millionen Euro eingesammelt hat und mit Lieferungen innerhalb von zehn Minuten wirbt.

 

Liefern in sieben Minuten?

Das will Östberg toppen und stellt sieben Minuten in Aussicht. Um das zu schaffen, will er auch in Deutschland sogenannte Dmarts – kleine Lagerhäuser in der Innenstadt – errichten. Rund um den Globus betreibt das 2011 gegründete Unternehmen, das seit dem Vorjahr Mitglied im DAX ist, bereits ein Netz von inzwischen 600 Dmarts. Zudem will Delivery Hero Partnerschaften mit lokalen Geschäften eingehen, Restaurants eröffnen, die nur ausliefern, und erwägt auch Mitgliedschaften.

Angesichts der hohen Investitionen in die Expansion schreibt Delivery Hero ähnlich wie Uber Eats trotz eines starken Umsatzwachstums und zahlreicher Neukunden in der Coronakrise seit vielen Quartalen rote Zahlen. Daran dürfte sich durch den Deutschland-Start nichts ändern, auch wenn Östberg zunächst keine Angaben zu den Investitionen machen will: „Wir gehen davon aus, jahrelang keinen Gewinn in Deutschland zu erzielen. Wir rechnen mit einem zehn- bis 15-jährigen Investitionszeitraum, um an die Spitze zu gelangen.“ Die Margen in dem Geschäft seien „hauchdünn“.

Just Eat Takeaway hingegen setzt sich das Ziel, durch Synergien mit dem bestehenden Logistiknetzwerk das Lebensmittelgeschäft „gewinnneutral“ zu bestreiten, und strebt Lieferzeiten zwischen 20 und 30 Minuten an. (Reuters)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2021)