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Oper

Gute Opern holt der Teufel

Hofmannsthal, Strauss und Alfred Roller: ein Briefwechsel.

Mir gefällt der Rosenkavalier gar nicht . . . Aber was will man machen? Hofmannsthal liebt das Zarte, Ätherische, meine Frau befiehlt: Rosenkavalier. Also Rosenkavalier! Der Teufel hol ihn!“ Dieser viel zitierten Passage wegen weiß die Musikwelt, dass Richard Strauss nicht nur mit Hugo von Hofmansthal einen ausgiebigen Briefwechsel geführt hat, sondern auch mit dem Bühnenbildner Alfred Roller. Nun ist die Korrespondenz des Dreibunds kommentiert greifbar: Sie führt uns vor Augen, dass man um 1910 längst dort angekommen war, wo heutige Kulturpolitiker angeblich hinsteuern: Die Theatermacher waren bei der Oper in den Arbeitsprozess ebenso eingebunden wie Textdichter und Komponisten.

Nun weiß man, dass Richard Strauss seine Librettisten in der Regel als kundiger Theaterpraktiker vor allzu schwärmerischen Ideen bewahrte, stets auf Klarheit, Verständlichkeit drängte. Dass Hofmannsthal mit seiner Liebe zum „Zarten, Ätherischen“ manchmal aber doch recht haben konnte, lehrt der Ausgang des Operntitel-Streits: Strauss wollte „Der Ochs auf Lerchenau“, Hofmannsthal (und Strauss' resolute Frau Pauline) konnten sich mit „Der Rosenkavalier“ durchsetzen. Und? Wenn es einen Preis für den schlagkräftigsten Operntitel des 20. Jahrhunderts gäbe, der „Rosenkavalier“ hätte ihn wohl gewonnen.