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MeToo

Ist MeToo in Österreich endlich angekommen?

Sandra Konstatzky leitet die Gleichbehandlungsanwaltschaft im Bundeskanzleramt.(c) Katharina F.-Roßboth
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Die Causa Fellner hat die Debatte über Diskriminierung, Sexismus und sexuelle Belästigung erneut angeheizt. Aber gibt es nun tatsächlich auch ein breites gesellschaftliches Bewusstsein für die Thematik, das anhält. Und wo ist die Grenze, ab der ein Verhalten nicht mehr in Ordnung ist?

Das Problem ist alt, aber etwas daran ist neu. Vielleicht, weil es ein prominenter Fall ist. Vielleicht auch, weil es zeitgleich mit einer besonderen Häufung von Frauenmorden auftaucht: Es scheint, die Causa Fellner, die in den vergangenen Tagen das Land (und vor allem die Medienbranche) beschäftigt hat, hat etwas ins Rollen gebracht.

Die Sachlage ist bekannt: Der Medienmanager Wolfgang Fellner sieht sich mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung einer Mitarbeiterin konfrontiert, die er wiederum bestreitet. Die Causa wird vor Gericht ausgetragen, wie sie ausgeht, ist offen. Aber sie zeigt bereits Wirkung. Es herrscht kein allgemeines „Ja, eh, wundert's dich, kommt doch andauernd wo vor“ mehr. Es wird kaum noch auf die früher beliebte Praxis zurückgegriffen, bei der nicht über die Sache an sich, sondern über die betroffene Frau debattiert wird. Ohne zu merken, dass man dadurch eigentlich mitmacht, indem man die Frau auf ihr Äußeres reduziert. Stattdessen gibt es diesmal Solidarität. Man oder vielmehr frau ist sich öffentlich einig, dass so ein Verhalten nicht in Ordnung ist, ganz generell, egal, wie der aktuelle Fall ausgeht. Politikerinnen haben angekündigt, sich von Fellner nicht mehr interviewen zu lassen, bis die Sache geklärt ist, was ihn dazu veranlasste, sich vorerst zurückzuziehen.

Denn dass es auch hierzulande vorkommt, dass mächtige Männer ihre Machtposition wie selbstverständlich missbrauchen, um meist jüngere Frauen zu diskriminieren oder sexuell zu belästigen, ist bekannt. In der Gleichbehandlungsanwaltschaft machen Fälle sexueller Belästigung Jahr für Jahr den Großteil der Anfragen aus. „Seit es sexuelle Belästigung im Gleichbehandlungsgesetz gibt, sind das auch unsere häufigsten Anfragen“, sagt Sandra Konstatzky, Leiterin der im Bundeskanzleramt angesiedelten Gleichbehandlungsanwaltschaft. Pro Jahr erreichen sie insgesamt rund 2000 Anfragen. Wobei sich Menschen melden, die aus unterschiedlichen Gründen diskriminiert werden: Geschlecht, ethische Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, Alter und sexuelle Orientierung. Rund die Hälfte der Anfragen stammt von Frauen. Die Anfragen zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz bewegen sich um die 200, bei der Hälfte davon handelt es sich um akute Fälle. Die Zahlen sind seit Jahren konstant.

Vorreiter Österreich. Wobei Konstatzky festhält, das Österreich beim Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz im Vergleich mit anderen Ländern durchaus Vorreiter ist, im positiven Sinne. Das liege daran, dass es hierzulande mit dem Gleichbehandlungsgesetz die erste gesetzliche Bestimmung dazu bereits 1992 gab. Allerdings reicht das Gesetz alleine nicht, es braucht auch ein Bewusstsein für die Thematik.