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Song Contest

Acid Yellow und Feines aus Israel: Die Highlights des heurigen ESC

Disco ohne Falsettgesang ist eigentlich unvorstellbar: Die gelb gewandeten Litauer von The Roop fisteln in ihrem schmucken Titel "Discotheque" tapfer vor sich hin.imago images/ITAR-TASS
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Heute, Dienstag, beginnt der Bewerb in Rotterdam. Von „Karma“ aus Albanien bis zu „Dark Side“ aus Finnland: eine Vorschau auf das eklektische Wettsingen.

Es war dem klugen Humanisten wohl nicht bewusst – aber Michel de Montaigne hat lange vor Erfindung des Fernsehens das Dilemma jeder Jury des notorisch vielfältigen Eurovision Song Contest perfekt formuliert: „Diejenigen, welche sich damit beschäftigen, die Handlungen der Menschen zu beurteilen, finden sich niemals in größerer Verlegenheit, als wenn sie solche unter einerlei Farbe und unter ein Fach bringen wollen.“

Das war im 16. Jahrhundert. Fast 500 Jahre später beschwört die australische Sängerin Montaigne, die sich tatsächlich nach dem französischen Philosophen benannt hat, eine größere Farbpalette: Im Song „Technicolour“ lobt sie den Geist der Inklusion mit nicht zu wenig Vibrato in der Stimme: „If we stand together, we can do whatever.“ In die idealistischen Nebel ihres Liedes platziert sie allerdings auch menschliches Ächzen: „Everything is frustrating, everything moves along faster than I can relate to.“ Hier dringt Realismus in die kunstvoll aufgebauten Kaskaden des Pathos.

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Liebe decken vor allem Teilnehmer aus dem ehemaligen Ostblock gekonnt zu. Die würdig über staubige Straßen stolzierende Anxhela Peristeri würzt ihren Gesang in „Karma“ mit orientalischen Melismen. Google Translate meistert ihr Albanisch so: „Lache wie verrückt, wenn du stöhnst. Herzlos, ich habe mich einfach sehr geliebt. Gott vergibt mir nicht.“ Zuweilen kann auch unebene Poesie lehrreich sein.