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Pharmaindustrie

Sandoz baut in Antibiotika-Produktion in Kundl groß aus

SANDOZ
CHRISTOPH ASCHER/Sandoz
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Novartis und ihre Generika-Division Sandoz werden ihr
Produktionsnetz zur Herstellung von Antibiotika in Europa in
den nächsten drei bis fünf Jahren aufrüsten. In Tirol werden zunächst mehr als 100 Millionen Euro investiert.

Knapp ein Jahr nach der Zusage an die Regierung, mehr als 150 Millionen in die nachhaltige Sicherung der Antibiotika-Produktion in Kundl investieren zu wollen, setzen der Schweizer Pharmakonzern Novartis und seine Generika-Division Sandoz  konkrete Schritte: Wie Sandoz am Dienstag mitteilte,  wird der Tiroler Standort weiter gebaut und um modernste Technologien zur Wirkstoffproduktion für seine führenden Penicillin-Produkte erweitert. Mit dieser Investition will Sandoz seine Position in Kundl als Drehscheibe und Zentrum der einzigen durchgängigen oralen Antibiotika-Produktionskette in Europa weiter stärken und weiterhin alle Produktionsschritte - vom Wirkstoff bis zur fertigen Darreichungsform - für viele lebensrettende Antibiotika abdecken.

Das Investitionsvolumen beläuft sich zunächst auf mehr als  100 Millionen Euro und umfasst damit den größten Teil der 2020 angekündigten Gesamtinvestitionen. Die Vorbereitungen haben bereits begonnen, die Umbauarbeiten starten im zweiten Halbjahr 2021. Das Vorhaben wird die langfristige Wettbewerbsfähigkeit stärken und einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten, so Sandoz. Die Reduktion der Abhängigkeit von Importen aus Asien sei von großem öffentlichen Interesse und daher habe die österreichische Bundesregierung zugesagt, öffentliche Mittel in Höhe von 50 Millionen Euro aus verschiedenen Finanzierungspools zur Verfügung zu stellen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (alle ÖVP) sprachen am Dienstag gemeinsam von einem "wichtigen Signal für den Produktionsstandort Österreich". Schließlich hatte Sandoz noch in der ersten Hälfte des Vorjahres in Erwägung gezogen, die Penicillinproduktion in Kundl einzustellen und nach Asien zu verlagern."Die Standortentscheidung für Tirol und die Investitionssumme sind ein starkes Signal für das gesamte Land. Novartis stärkt Österreich als Forschungsstandort und schafft gleichzeitig neue Arbeitsplätze", so Kurz. Und Schramböck rechnete vor: "Rund 80 Prozent der aller Antibiotikawirkstoffe kommen aus China und Indien. Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, wie groß die Abhängigkeit Europas insbesondere von diesen Ländern ist. Mit unserer Investition konnten wir einen entscheidenden Beitrag leisten, dass Novartis die Antibiotikaproduktion in Tirol belässt und wertvolle Arbeitsplätze sichert."

Landeshauptmann Platter betonte: "Die vom Land Tirol zur Verfügung gestellten fünf Millionen Euro sind gut investiertes Geld und ein wichtiger Beitrag sowohl zur Stärkung des europäischen Arzneimittelmarktes als auch des Tiroler Forschungsstandortes."

Neue Anlage in Spanien

„Antibiotika sind das Rückgrat jeder modernen Gesundheitsversorgung und eine wichtige strategische Säule unseres Geschäfts. Trotz eines vorübergehenden Nachfragerückgangs aufgrund der Pandemie bleiben wir in Bezug auf die mittel- bis langfristigen Aussichten für dieses Segment, das einen erheblichen Teil der globalen Krankheitsbilder abdeckt, weiter zuversichtlich. Diese antizyklische Investition, die kurz nach der Ankündigung von Plänen zum Erwerb der globalen Cephalosporin-Antibiotika von GSK erfolgt, bestätigt unsere Zusage, die Zukunft unseres führenden globalen Antibiotika-Geschäfts zu sichern“, erklärte Richard Saynor, CEO von Sandoz.

Als Teil des Modernisierungs-Plans für Antibiotika in Europa wird in Palafolls (Spanien) eine neue Anlage für die sterile Wirkstoffproduktion errichtet. Dies bedeutet, dass die derzeitige ältere Anlage in Kundl bis 2025 schrittweise heruntergefahren wird. Veränderungen beim Personalstand am Campus Kundl/Schaftenau werden in diesem Zusammenhang aber nicht erwartet: „In Kundl und Schaftenau sind wir, aufgrund der Größe und Vielseitigkeit unserer Aktivitäten vor Ort, in der glücklichen Lage, die von der Abwanderung betroffenen Mitarbeitenden in unsere Wachstumsbereiche – allen voran im Bereich der oralen Penicillinproduktion – weiterentwickeln zu können“, stellt Michael Kocher, Country President Novartis Austria, klar.

Erst kürzlich wurde der Ausbau von Kundl zu einem Kompetenzzentrum für die Nukleinsäure-Produktion bekannt gegeben und der Einstig in die Covid-19 Impfstoffproduktion. Auch die Anfang Mai kommunizierte Weiterentwicklung und Öffnung von Kundl/Schaftenau zu einem Technologie- und Life Science Park wird den Industriestandort weiter stärken und zusätzliche Wertschöpfung nach Tirol bringen.

(APA/red)