Große Pläne, jämmerliche Wirklichkeit oder: Wenn ein Betriebsbahnhof in die Jahre kommt.
Es steht eine Remise in Kagran. Gewiss, das ist keine Neuigkeit: Da stand schon eine vor mehr als 100 Jahren. Jene erste freilich, die ist längst verschwunden unter einem mehrspurigen Straßenzug samt angrenzendem Erlustigungsbetonpalast. Und auch ihre Nachfolgerin hat schon bessere Tage gesehen: Errichtet im Zuge des U1-Ausbaus der 1980er und ab da Heimstatt im Kombipack für Straßenbahn (zu ebener Erd) und U-Bahn (im ersten Stock), leistet sie straßenbähnlich nach wie vor tapfer ihren Dienst, während Silberpfeil & Co Mitte der 2000er in Leopoldau eine neue Heimstatt fanden.
Seither liegt der erste Remisenstock verwaist, und spätestens nachdem man der voluminösen Doppelhalle ihre Verkleidung abgenommen hatte, ließ sich ihr Zustand kaum anders denn als hinfällig beschreiben. Ein Eindruck, der sich stimmig mit jenem ergänzte, den die Rundsporthalle nebenan zum selben Zeitpunkt bot.
Die freilich wird dieser Tage eifrig saniert. Und die Remise? Um die ist's seltsam still geworden, kaum hatten die Wiener Linien im Oktober 2018 üppige Aus- und Überbauungspläne lanciert. Damaligem Vernehmen nach sollte die Auftragsvergabe seit zwei Jahren abgeschlossen sein. Heute allerdings ist zum Projektstand einzig zu erfahren, man befinde sich aktuell „in der Ausschreibung“; eine Nachfrage, wieso noch immer ausgeschrieben wird, wo man doch schon längst Aufträge vergeben haben wollte, blieb ohne Resonanz.
So ist vorerst das einzig Neue an der Remisen-Misere zu Kagran, was vergangenen Februar auch zur Gemeinderatsdebatte stand: der Verdacht, ein Investor habe dank Insiderinformation über die Remisen-Ausbaupläne frühzeitig ein dazu erforderliches Grundstück erworben und mit gutem Gewinn an die Wiener Linien weiterverkauft. Aber Hand aufs Herz: Selbst im Fall des Wahrheitsfalles wäre auch das hierorts keine Neuigkeit.