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Google I/O, the company's annual three-day developer conference, in Mountain View, California
Entwicklerkonferenz

Von Star Trek bis Star Wars: Die Visionen von Google

Wie stellt sich Google die Zukunft vor? Auf seiner alljährlichen Entwicklerkonferenz, der Google I/O, präsentierte das Unternehmen seine neuesten Projekte und Entwicklungen. Ein Überblick, von Android 12 bis Starlink.

Die alljährliche Entwicklerkonferenz von Google wird auch heuer völlig digital abgehalten. Im Fokus stehen einmal mehr technische Anpassungen, Neuerungen und das hauseigene Betriebssystem Android. Und während Staaten und die EU gegen das Unternehmen wegen Privatsphäre-Verletzungen und im Dunst des Kartellrechts ermitteln, will man davon in Mountain View nichts wissen. Zum Auftakt gab es eine subtilere Antwort: Neue Funktionen zum Schutz der Privatsphäre.  Dazu gehört die Möglichkeit, die Suchanfragen-Historie der vergangenen 15 Minuten zu löschen. Außerdem wird man in der Foto-App einzelne Ordner mit Passwort-Schutz einrichten können - zum Beispiel für Aufnahmen von Dokumenten. Natürlich durfte auch das hauseigene Betriebssytem nicht fehlen, das mit Android 12, eine erfrischende Neuerung erfährt.

Dienstagabend wurde live auf einer deutlich kleineren Bühne als sonst die Entwicklerkonferenz eröffnet. Damit es nicht gar so klinisch über die Bildschirme flackert, wurden Mitarbeiter für den nötigen Applaus an den richtigen Stellen abgestellt. Die Neuerungen im Überblick.

Lamda - der nächste Schritt zum Star-Trek-Schiffcomputer

Automatisierte Programme, sogenannte Chatbots, die einfache, immer wieder kehrende Anfragen von Nutzern beantworten sollen, erzielten nie den Durchbruch, denen man ihnen prognostiziert hätte. Chatbots wie sie auf der Online-Seite des Finanzamts zum Einsatz kommen, sollen schnelle Antworten liefern. Immer unter der Voraussetzung, dass sie kontextbezogen und nicht zu kompliziert sind. Wie weit Künstliche Intelligenz schon gediehen ist, zeigte Google mit der Software „Lamda“, die eine Unterhaltung mit einem Menschen führen kann. Die Antworten seien dabei nicht vorgegeben, sondern würden von dem Programm auf Basis vorhandener Informationen erzeugt, betonte Google-Chef Sundar Pichai.

Google führte zwei Beispiele für einen Dialog vor: Die Software schlüpfte dafür erst in die Rolle des Planeten Pluto und dann eines Papierfliegers. Sie beantwortete dabei etwa Fragen danach, ob es schon Besucher auf dem Planeten gab oder wie weit das Papierflugzeug fliegen konnte.

An der Dialog-Technologie werde noch geforscht, sie solle mit der Zeit aber in diverse Produkte wie den Sprachassistenten Google Assistant einfließen, der im Gegensatz zu Amazons Alexa-System nicht mit „Computer“ aktiviert werden kann.

Vom Star-Trek-Universum zu Star Wars

„Help me, Obi-Wan Kenobi. You're my only hope“, ruft Prinzessin Leia in ihrer Hologramm-Nachricht, die in R2-D2 versteckt war und zufällig von Luke gefunden wurde. So ähnlich kann man sich auch das neue Prestige-Projekt von Google erklären, das unter dem Namen „Starline“ vorgestellt wurde. 

Besonders in Zeiten von Online-Konferenzen, Teams-Calls und sonstigen Online-Gesprächen zeigte sich nach wenigen Monaten, wie schwierig es ist, wenn man sein Gegenüber nicht sieht. Auf Dauer macht diese Art der Kommunikation müde und besonders im privaten Bereich vermisst man sein Gegenüber. Diese Lücke will Google schließen, mit Hilfe von Kameras, Tiefensensoren. Dadurch soll über Hunderte Kilometer Entfernung ein plastisches 3D-Modell des Gesprächspartners entstehen. Tatsächlich soll das in einigen Büros bereits zum Einsatz kommen. Wie das in der Praxis ausschaut, wird hier demonstriert.

 

Android 12 - Snow Cone

Noch hält Google an den süßen, in alphabetischer Reihenfolge, Beinamen fest. Nach Gingerbread, Ice Cream Sandwich, Lollipop und Oreo ist jetzt der Snow Cone dran. Dabei handelt es sich um Crushed-Ice, das mit einem Sirup getränkt und in einem Stanitzerl gereicht wird. Unabhängig davon bringt die neueste Version des weltweit meistgenutzten Betriebssystem einige sichtbare Veränderungen.

In den vergangenen Versionen ist viel innerhalb des Systems passiert, während sich die Benutzeroberfläche kaum geändert hat. Jetzt hat sich Google auch hier mal wieder ausgetobt. Während die letzten Jahre geprägt waren von sauberen, übersichtlichen UIs (User Interfaces) wird es jetzt wieder verspielter. Das Design wurde völlig überarbeitet und stellt sich künftig auf die individuellen Vorlieben der Nutzer ein. Wobei einiges nur der eigenen Google-Smartphone-Serie „Pixel“ vorbehalten bleibt - zumindest vorerst.

Einen knackigen Überblick liefert AndroidCentral in diesem Video, das die wichtigsten Neuerungen auf englisch zusammenfasst.

Spannend ist dabei zu beachten, dass bei den Widgets (Miniprogramme, die auf die Startbildschirme des Smartphones gelegt werden können) wieder Bewegung entsteht. Nach jahrelangem kümmerlichem Dasein in der Android-Sphäre hat Apple sie iOS 14 aufgenommen. Das hat bei Google offenbar dazu geführt, dass man sich des Themas wieder ein bisschen annahm und sie völlig überarbeitet hat. Unabhängig von der Henne-Ei-Diskussion, die gerne bei Android und iOS geführt wird, profitieren Nutzer von dieser Entwicklung.

Sicherheit, Standort-Hoheit, Cookies

Nutzer werden mit der neuen Version künftig sofort informiert, wenn eine App auf Kamera oder Mikrofon zugreift. Innerhalb dieses Banners, der künftig am oberen Bildschirm zu sehen sein wird, kann diese Berechtigung auch standepede wieder entzogen werden. Auch der Standort kann individuell mit den Apps geteilt werden. So weit wie Apples kürzlich vorgestellte App Tracking Transparency geht sie jedoch nicht. Als Unternehmen, das hauptsächlich Umsatz aus Werbung generiert, ein zweischneidiges Schwert.

Künftig wird aber aber auch ein eigener Bereich eingezogen, der „Locked Folder“ heißt. Dort sollen sensible Daten wie auch die selbst geschossenen Bilder abgespeichert werden können, die mit einem zusätzlichen Passwort gesichert werden. Vorerst wird dieser Sicherheitsluxus nur den Pixel-Geräten vorbehalten sein. Die eingangs erwähnte Löschfunktion der Google-Suche der letzten 15 Minuten, soll vor allem in der mobilen Version freigeschaltet werden.

Cookies, das Ende naht

Zwar sind weiterhin nicht viele mit Googles Bestreben glücklich, die Cookies von Drittanbietern abzuschaffen. Pichai will aber am Plan festhalten. 2022 soll es dann so weit sein.

>>> Floc: Googles Brösel mit dem Cookies-Nachfolger

Die Tracking-Cookies haben ihr Haltbarkeitsdatum überschritten, laut Google. Und hat schon einen Nachfolger parat. Floc soll Nutzern Anonymität garantieren, aber trotzdem personalisierte Werbung ermöglichen. Wie das funktionieren soll und warum sich Widerstand formiert.

In den kommenden Wochen folgen auch die Entwicklerkonferenzen von Facebook und Apple, ebenfalls in einem Online-Format. Für die Tech-Riesen sind die jährlichen Veranstaltungen traditionell eine wichtige Gelegenheit, einen Einblick in ihre Strategie zu geben. Üblicherweise kommen dafür Tausende Software-Entwickler und Journalisten ins Silicon Valley. Angesichts der Corona-Pandemie müssen die Konzerne nun schon im zweiten Jahr in Folge auf Online-Veranstaltungen ausweichen.