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Management

Warum die Aufhebung der Impfstoffpatente eine schockierende Idee ist

Impfstoffpatente freigeben?
Impfstoffpatente freigeben?imago images/Depo Photos
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Kolumne "Hirt on Management": Folge 151. Der Weg in die Planwirtschaft.

Der US-amerikanische Präsident Joe Biden hat vor kurzem vorgeschlagen, die Patente für die Corona-Impfstoffe aufzuheben und kostenlos verfügbar zu machen.
Diese Aussage hat mich so schockiert, dass ich hier gerne eine Sonderkolumne einlege.

In der öffentlichen Diskussion über diese Aussage des US-amerikanischen Präsidenten sind nämlich eine Reihe von Aspekten vollkommen untergegangen.

Wenn der vermeintliche Führer der westlichen, marktwirtschaftlich orientierten Welt, mit solchen Vorschlägen daherkommt, dann sollten wir aufhorchen.

Überlegen wir uns mal in aller Ruhe, was dieser Vorschlag bedeutet.

Es wird hier vorgeschlagen, eine bestimmte Gruppe von Menschen, nämlich die Aktionäre von Pharmaunternehmen, entschädigungslos zu enteignen, um mit deren Geld „Gutes“ zu tun.

Verletzung von Treu und Glauben, rückwirkend

Das Ganze unter Verletzung von Treu und Glauben und rückwirkend. Es wird hier also vorgeschlagen, einen der wichtigsten Grundsätze des modernen Rechtsstaates einfach vom Tisch zu wischen.

Hier ergibt sich noch eine andere Frage: Wenn man schon als Robin Hood von den Reichen nehmen möchte, um den Armen zu geben, warum dann nur von der Pharmaindustrie und Ihren Aktionären nehmen?

Warum nicht auch z.B. von der IT-Industrie, warum nicht von anderen Branchen und dort auch ein bisschen enteignen?

Die Pharmaindustrie hat wenigstens etwas dafür geleistet, dass ein Covid-Impfstoff entwickelt wurde, vielleicht sollte man daher ausschließlich die Unternehmen in anderen Branchen enteignen und die Pharmaindustrie in Ruhe lassen?

Marktwirtschaft nicht abschaffen

Mein Vorschlag daher: Wenn Sie „gut“ sein möchten, Mr. President, dann tun Sie es doch bitte mit Ihrem eigenen Geld. Oder enteignen Sie doch einfach alle, das nennt man dann Steuern.

Nur zur Sicherheit, um dem Vorwurf des herzlosen Kapitalisten vorzugreifen, ihr Kolumnist ist nicht dagegen, dass ärmere Länder bei der Corona-Bekämpfung unterstützt werden.

Aber vielleicht kann man einen schlaueren Weg finden, als gleich die Marktwirtschaft in Schlüsselbereichen, die für unsere Zukunft extrem wichtig sind, abzuschaffen?

Denn sonst werden sich die Pharmakonzerne in Zukunft sehr genau überlegen, ob sie ein paar Milliarden für eine Neuentwicklung riskieren oder nicht, und das wäre ein enormer Rückschritt für die Pharmaforschung, sowie für unsere Gesellschaft und würde im Endeffekt Millionen von Menschen das Leben kosten. Und zur Abrundung wurde auch noch schnell ein paar Grundlagen unseres modernen Rechtsstaates vom Tisch gewischt.

Ich dachte immer, mangelnder Respekt für Patente ist eine chinesische Prerogative. Aber vielleicht steht ja jetzt die Welt auf dem Kopf…

 

In der nächsten Kolumne beschäftigen wir uns mit der Frage, was Manager und Managerinnen von Alexander dem Großen, einem der größten Tatmenschen der Weltgeschichte, lernen können.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 20. Mai zum Thema „Von Alexander dem Großen lernen“

 

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

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