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Film

"Lovecut": Ein Liebesfilm für Generation Z

Lovecut
Lovecut(c) Stadtkino
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Das Teenager-Drama von Johanna Lietha und Iliana Estañol erzählt von Sex und Sinnsuche in Wien. Auf Amazon.

Wenn im Kulturdiskurs vom „jungen Kino“ die Rede ist, werden meist ähnliche Ansprüche geltend gemacht: Der „junge Film“ soll das authentische „Lebensgefühl“ einer ganzheitlich gedachten „Jugend“ einfangen. Sprich: Ihr Streben und Sehnen, Lieben und Leiden auf eine Weise vermitteln, die ihre gegenwärtigen Vertreter wohlwollend abnicken.

Diese sprichwörtliche Einheits-Jugend gibt es freilich nicht, es hat sie nie gegeben. Sehr wohl gibt es allerdings ein platonisches Jugend-Ideal, das sich seit jeher durch die Filmgeschichte zieht. Und immer wieder in neue, mal mehr, mal weniger gelungene Formen gegossen wird. So auch im Ensemble- und Episodenstück „Lovecut“, einer österreichisch-schweizerischen Koproduktion, die schon vergangenen August kurzzeitig bei uns im Kino lief und nun im Amazon-Abo gestreamt werden kann. Gedreht wurde es in Wien, die Hauptstadt bleibt aber schemen- und kulissenhaft.

Sex, Drugs und Entfremdung

Was zeigt also das Jugendporträt, das hier für die Generation Z neu abgepaust wird? Im Kern: Sex, Drugs und Rock & Roll. Nur ersetzt „Lovecut“ Rock & Roll mit zeitgeistiger Tanzmusik. Und wichtiger als der Sex ist die hakelige Suche nach Liebe und libidinöser Erfüllung. Im Spannungsfeld von Anziehung und Abstoßung stecken sechs Teenager. Die meisten haben keine Berührungsängste und kaum etwas von der vererbten Verklemmtheit höherer Altersgruppen.

Jakob (Kerem Abdelhamed) und Anna (Sara Toth) drehen Sexvideos ohne nennenswerte Scham. Luka (Luca von Schrader) schlüpft nach einer Partynacht umstandslos mit Tinder-Date Ben (Max Kues) unter die Bettdecke. Und Momo (Melissa Irowa) masturbiert für Alex (Valentin Gruber) vor der Webcam. Alles locker, alles lässig. Lust statt Frust.

Bis es dann halt doch um Gefühle geht. Ohne sie macht das Ganze wenig her. Aber mit wird alles schwieriger. Etwa wenn Jakob und Anna ihre Clips ins Netz stellen und plötzlich Eifersucht hochkocht. Oder wenn Momo Alex endlich treffen will, dieser aber Angst davor hat, weil er im Rollstuhl sitzt. Da kommt moralische Bekümmerung ins Spiel, die das Regisseurinnen-Duo Johanna Lietha und Iliana Estañol zum Glück minimal halten. Sie üben sich lieber in Stimmungsmalerei. Und haben ein Händchen für Intimität, auch dank der Zwanglosigkeit ihrer jungen Darsteller. Am 6. Juni läuft der Film übrigens auch im Filmarchiv „Frühlingskino“ im Augarten. (and)