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Glosse

Die Zentralmatura wurde leise abgeschafft

THEMENBILD: ZENTRALMATURA
HANS KLAUS TECHT / APA / picture
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Das teure Projekt sollte für Objektivität und Vergleichbarkeit sorgen. Genau das wird durch die neue Notengebung konterkariert.

Man stelle sich einmal Folgendes vor: Es gibt da ein heikles Projekt. Es wird jahrelang daran gearbeitet, es werden zahlreiche Qualitätsschleifen durchlaufen und jährlich mehr als sieben Millionen Euro dafür in die Hand genommen. All das hat nur einen tieferen Sinn: Das Projekt soll für höchstmögliche Objektivität und Vergleichbarkeit sorgen. Und dann wird genau das konterkariert. So ist es bei der Zentralmatura passiert.

Sie soll die Schülerleistungen objektivieren und österreichweit vergleichbar machen. Ein „Sehr gut“ soll(te) vom Boden- bis zum Neusiedlersee, wie es politisch immer so schön heißt, gleich viel wert sein. Egal welche Schule und wessen Unterricht ein Schüler besucht. Dafür hat man bewusst viel Arbeit und Steuergeld investiert.

Inmitten der Pandemie hat Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) dann aber für eine weitreichende Änderung gesorgt. Für den ersten Coronajahrgang sollte nicht mehr alleine die zentrale Prüfung entscheidend sein. Die Abschlussnote setzte sich jeweils zur Hälfte aus der Note im Zeugnis der letzten Klasse und der Prüfungsnote zusammen. Das wird (einmal abgesehen von kleinen Änderungen) auch für den zweiten Coronajahrgang, der nun gerade bei der Reifeprüfung sitzt, so sein. Und es soll auch in Zukunft so bleiben. Denn (Matura-)Tag X dürfe nicht alleine entscheidend sein. 

Dafür lassen sich natürlich gute Argumente finden. Man sollte dabei aber einer Tatsache ins Auge sehen: Ein „Sehr gut“ wird am Bodensee eventuell nicht mehr gleich viel wert wie am Neusiedlersee sein. Zugegebenermaßen ist es schon bisher nicht ganz egal gewesen, welche Schule und wessen Unterricht man besucht hat, denn die Note ist schon jetzt von der Beurteilung des Lehrers abhängig gewesen. Auch bei den Kompensationsprüfungen hat es höchst unterschiedliche Bedingungen gegeben. All das hat, wie der Rechnungshof zuletzt kritisierte, dem eigentlichen Ziel der Zentralmatura, höchstmögliche Objektivität und Vergleichbarkeit zu schaffen, widersprochen. Nun hat man sich von diesem Grundgedanken offenbar nahezu geräuschlos verabschiedet. Zurück ist ein aufwendiges und teures Projekt geblieben.