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Trend

Co-Living: Zimmerservice der modernen Art

Gemeinsames Essen optional: Co-Living für Expats, Studierende und Pendler.
Gemeinsames Essen optional: Co-Living für Expats, Studierende und Pendler.Getty Images
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Ein bisschen Hotel-, ein bisschen Hostel-Charme: Ideen wie Co-Living und Serviced Apartments verändern langsam, aber doch, auch die zukünftige Mietenlandschaft in Wien.

Co-Living, Micro- und Serviced Apartments fühlen sich ein bisschen an wie Hotels: möblierte Wohnungen, die professionell gereinigt werden, Handtücher und Mitbewohner sind schon da. Der Anglizismus beschreibt das Zusammenleben mehrerer Mitbewohner mit folgenden Besonderheiten: Mietverträge haben oft kurze Laufzeiten und werden unabhängig von anderen Bewohnern aufgesetzt, Möbel, Gebrauchsgegenstände und „Abenteuer“ sind inklusive, wie Jennifer Chang, Vice President Studio bei Common, dem größten Co-Living-Anbieter in den USA, es ausdrückt.

Micro-, Serviced-, Co-Living?

In New York ist Co-Living längst kein Nischenmarkt mehr. In Wien sieht das anders aus: „Unter den zurzeit vorherrschenden Bedingungen auf dem Wohnungsmarkt ist das klassische Co-Living-Konzept noch nicht sehr breitenwirksam“, sagt Martin Ofner, Head of Research bei CBRE in Österreich. Kein Wunder, wie der Bericht zur Entwicklung von Co-Living in sechs verschiedenen europäischen Städten zeigt. Für Wien ist daraus ersichtlich, dass ein Zimmer in einem Co-Living-Apartment etwa dasselbe kostet wie eine 30 m2 große Wohnung inklusive der oben aufgelisteten Kosten: etwa 800 Euro. Noch dazu kaum in trendigen Gegenden, wo die Zielgruppe gern lebt. „Co-Living- und Hybrid-Entwicklungen befinden sich überwiegend auf Flächen, die für Unternehmen und Büros bestimmt sind“, sagt Ofner. Dies stelle das Geschäftsinteresse in den Vordergrund und ermögliche das Nutzungsmixen zwischen Co-Living, Hotel- und Studentenwohnungen sowie eine Änderung des Geschäftskonzepts in der Zukunft.

Der Hauptunterschied zwischen Micro- und Serviced Apartments und Co-Living: Letztere Unterkünfte haben kein eigenes Bad und Küche, erklärt Richard Wörösch, Managing Director der We Live Group, zu der I Live, ein Anbieter von Micro-Apartments, gehört. Bei Bedarf können hier Reinigung sowie Wäscheservice in Anspruch genommen werden. Außerhalb der eigenen vier Wände finden sich Gemeinschaftsräume in Form verschiedener Lounges sowie Sport- und Grillplätze.

Gesellschaft für Jobnomaden

„In unseren Häusern bauen wir starke Gemeinschaften auf, selbst für kürzere Aufenthalte bis zu sechs Monaten“, sagt Wörösch. Dafür verantwortlich seien sogenannte Community Hosts, die „aktiv den Aufbau einer Gemeinschaft initiieren, bei der Freizeitgestaltung unterstützen und über eine App vielfältige Kommunikation der Mieter untereinander fördern“. Das komme auch Geschäftsreisenden zugute, für die Hotelaufenthalte von mehreren Wochen nicht tragbar seien, eine Mietwohnung allerdings auch nicht. Ofner sieht das ähnlich, gerade in Zeiten einer globalen Pandemie: „Arbeitsformen wie die des digitalen Nomaden, der ortsunabhängig ohne fixe Team- und Zeitstrukturen arbeitet, können einsam sein“, sagt er. Wohnkonzepte, die gemeinsam genutzte Allgemeinflächen und Arbeitsräume integrieren, seien die Antwort auf diese Veränderungen.

Darüber hinaus sei der Wiener Wohnungsmarkt im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten unflexibel: „Um günstige Wohnungen in guter Lage zu einem vernünftigen Preis zu finden, ist ein hohes Maß an Insiderwissen über Vorschriften, Subventionen und versteckte Möglichkeiten erforderlich“, stellt Ofner dar. Dass das gemeinsame Arbeiten in „Lounge-Zonen“ gern genutzt wird, bestätigt Helga Mayer, Geschäftsführerin der Immo 360 Grad GmbH und Leiterin Vertrieb, Marketing und PR der ÖSW AG. Die ÖSW bietet unter der Marke Room4rent möblierte Wohneinheiten mit Bad, Küche und einem eigenen Außenbereich an. Das Konzept werde von Expats, Pendlern sowie Gastprofessoren und Studierenden angenommen. Gerade Erstere würden von dieser Wohnform profitieren, da es in Österreich oft schwerfalle, Freundschaften zu schließen.

Bis Herbst 2021 sollen das ÖSW-Gebäude „Music Box“ mit 161 Einheiten im 10. Bezirk sowie der Q-Tower in Wien Landstraße mit 94 Room4rent-Einheiten fertig werden. Auch I Live, das in Deutschland 4200 Wohnungen zu seinem Portfolio zählt, hat für sein neues Gebäude „Rioca Posto 1“ den 3. Bezirk ausgesucht.

AUSBLICK

Bis Ende 2021 sollen rund 1500 weitere Co-Living-Apartments in Wien entstehen, berichtet CBRE. Das bedeute, dass der Markt auch hier stark wachse, allerdings noch nicht so etabliert sei wie in anderen europäischen Städten. Das kann an der fehlenden Kostenersparnis liegen – eine Mikro-Wohnung liegt preislich auf ähnlichem Niveau –, oder auch daran, dass sich diese Wohnungen derzeit noch nicht in angesagten Wohnvierteln befinden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2021)