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Tagung

„Begleitforschung ist zugleich Zukunftsforschung“

Die Pandemie änderte unser Leben praktisch über Nacht.
Die Pandemie änderte unser Leben praktisch über Nacht.imago images/Hans Lucas
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Im südsteirischen Schloss Seggau diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beim Pfingstdialog, welche Lehren sich aus der Coronakrise ziehen lassen. Mit dieser Frage befassen sich auch zehn Forschungsprojekte.

Die Pandemie änderte unser Leben praktisch über Nacht. Sie zwang die Politik ebenso wie die Wissenschaft zu raschem Handeln. Bei einer Podiumsdiskussion anlässlich des Pfingstdialogs im steirischen Seggau (20. und 21. Mai), der heuer im Zeichen gegenwärtiger Herausforderungen durch Coronakrise, Klimawandel und Digitalisierung stand, diskutierten Forscherinnen und Forscher am Donnerstagvormittag auch die Rolle der Corona-Begleitforschung.

Deutliche Worte fand der Komplexitätsforscher Stefan Thurner vom Complexity Science Hub Vienna: „Zur Begleitforschung braucht es zuallererst die Erkenntnis, dass man – wenn man sich dagegen entscheidet – im Zusammenhang mit der Pandemiebekämpfung nicht viel weiter ist, als wir schon im 16. Jahrhundert waren: alle in den Lockdown, manchmal sogar für ein halbes Jahr.“ Das sei weder zeitgemäß noch notwendig. „Eine digitale Pandemiekontrolle ist auch ohne Verletzung des Datenschutzes möglich.“

Vor allem die Schnittstellen zwischen Politik und Wissenschaft müssten besser gestaltet werden, betonte der Ökonom Richard Sturn vom Schumpeter-Center der Uni Graz. „Zu oft wird der Eindruck erweckt, Wissenschaft könnte fertige Rezepte zu komplexen Fragen wie dem Umgang mit der Pandemie oder dem Klimawandel liefern, während die Diskurse und Prozesse an den Schnittstellen von Wissenschaft und Politik in Richtung Umsetzung an Qualität zu wünschen übrig lassen.“

Voraussetzung für laufende Begleitforschungsprojekte zur Coronapandemie waren unkompliziert aufgestellte Förderschienen. Davon gab es einige: So organisierte die EU einen Spendenmarathon für die Impfstoff-Entwicklung, bei dem 7,4 Milliarden Euro aufgestellt wurden. Auf nationaler Ebene stellte die vom Bund finanzierte Forschungsförderungsgesellschaft FFG kurzfristig 26 Millionen Euro für entsprechende Projekte bereit.

Aber auch die Bundesländer blieben nicht untätig: Das Land Steiermark förderte etwa mit der Ausschreibung „Aus der Coronakrise lernen!“ zehn Forschungsprojekte – neun davon werden von Frauen geleitet.

 

Auf nächste Krise vorbereiten

In dem von der Wirtschaftswissenschaftlerin Renate Ortlieb (Uni Graz) geleiteten Projekt „Dialog“ wird etwa untersucht, wie Betriebe mit neuen Arbeitsformen auf der Basis digitaler Technologien experimentieren. Die Informatikerin Johanna Pirker (TU Graz) nutzt die Fördermittel für eine Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen aus den USA, Kanada und Italien. Gemeinsam konzipieren sie mit Methoden aus der Videospielerstellung die „ViCity“, ein virtuelles regionales Stadtzentrum.

„Begleitforschung während und nach der Pandemie ist zugleich Zukunftsforschung, um besser auf nächste Krisen vorbereitet zu sein“, betonte die Soziologin und Psychotherapeutin Johanna Muckenhuber von der FH Joanneum. „Sie muss psychosoziale und auch ökonomische Aspekte berücksichtigen.“ Für die Zukunft wünscht sie sich jedenfalls, dass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, besonders auch junge Menschen, von Beginn an aktiv in die Gestaltung von Maßnahmen einbezogen werden.

Die Panel-Diskussionen des Pfingstdialogs 2021 sind online frei zugänglich:www.pfingstdialog-steiermark.at

IN ZAHLEN

10 einjährige Forschungsprojekte zur Coronakrise wurden vom Land Steiermark mit einer Summe von maximal 70.000 Euro gefördert.Sie wurden aus 55 Einreichungen ausgewählt.

668.452
Euro betrug die Gesamtsumme der Förderung, die an Projekte an der Universität Graz, der TU Graz, der Med-Uni Graz sowie an die FH Joanneum ausgeschüttet wurde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2021)