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Theaterkritik

Dieses Finanzamt tanzt!

++ HANDOUT ++ KASINO AM SCHWARZENBERGPLATZ: DER FISKUS
Man glaubt, die "Staatsdiener" alle zu kennen.BURGTHEATER/MARCELLA RUIZ CRUZ
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Regisseurin Anita Vulesica hat Felicia Zellers scharfe Satire „Der Fiskus“ im Burgtheater Kasino mit einem tollen Ensemble perfekt umgesetzt.

Gibt es Bürgerpflichten, die mühsamer sind als Steuererklärungen? Sind sie nicht stets von der Furcht begleitet, dass all das doch nicht korrekt abgeführt wurde? Falsche Fragen. Taugt der Stoff für die Bühne? Aber ja! Am Samstag gab es im Burgtheater Kasino ein Theaterfest: Felicia Zellers Stück „Der Fiskus“ hatte in der Inszenierung von Anita Vulesica österreichische Erstaufführung. In 105 Minuten demonstrierten vier Schauspielerinnen und ein Schauspieler, dass dieses Ensemble erstklassige Mitglieder hat.

Die Szene wirkt surreal, agiert wird geradezu dadaistisch. Bühnenbildnerin Henrike Engel hat mit ein paar Planen, Gerüsten und Schreibtischen voll altem Büro-Zeug unter Schutzabdeckung ein verstaubtes Finanzamt gebaut, das abbruchreif ist. Es wird renoviert: Immer wieder Stromausfall, auch der Lift bleibt regelmäßig stecken. Unter erschwerten Bedingungen gehen hier fünf Staatsdiener ihrer Arbeit nach. Man glaubt, sie alle zu kennen.

Sabine Haupt spielt mit Verve die gewissenhafte Bea Mtinnen, die großem Steuerbetrug auf der Spur ist. Obwohl die erfahrenste und dienstälteste, wird Bea bei der Beförderung übergangen. Ihre Antagonistin Nele Neuer macht Karriere. Kongenial spielt Dorothee Hartinger diese intrigante Dame, die lieber bei Workshops Netzwerke knüpft, als ihre eigentlichen Aufgaben zu erfüllen. Kommt Druck von oben, drückt sie in windigen Fällen beide Augen zu. So geht Aufstieg! Furios entwickelt sich dieser Zweikampf.

Die Betriebsprüfung als Eroberung

Assistiert werden sie dabei von einem Paar, das vom Eigen- statt vom Gemeinsinn angetrieben ist: Deleila Piasko winkt als Elfi Nanzen im Zweifel heikle Akten lieber durch, Bardo Böhlefeld als Elfis Mann Reiner Lös scheint stets mit dem eigenen Vorteil beschäftigt zu sein und geriert sich außerdem als Teilzeit-Künstler. Auch sie sind Meister der Situationskomik. Schließlich brilliert, wie zu erwarten, Stefanie Dvorak als immer wieder aus dem defekten Lift auftauchende, laszive Angie Außen, die von Betriebsprüfungen berichtet wie von Eroberungen.

Choreografin Mirjam Klebel hat das fantastische Quintett in seiner Bewegung optimal auf die irrwitzige Sprache abgestimmt. Solch eine Inszenierung macht enorm viel Spaß, das Finanzamt tanzt! Es wird großes absurdes Theater geboten. Hier passt einfach alles zusammen. Nur en passant scheint man Gesellschaftskritik zu erfahren. In Wahrheit aber ist es eine geballte Ladung.