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Meinungsfreiheit

Tierärzte-Insiderin darf über Kollegenschaft "auspacken"

Werden Haustiere aus Geschäftemacherei unnötig, ja schädlich therapiert? Eine Tierärztin behauptet das in einem Buch.
Werden Haustiere aus Geschäftemacherei unnötig, ja schädlich therapiert? Eine Tierärztin behauptet das in einem Buch.Clemens Fabry
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Eine mittlerweile pensionierte „ganzheitliche“ Veterinärin geht in einem Buch mit der Kollegenschaft hart ins Gericht. Der VfGH hebt eine Disziplinarstrafe gegen sie auf.

Wien. „Totgeimpft, fehlernährt, medikamentenvergiftet – eine Insiderin packt aus“: Unter dieses Motto hat eine auf „ganzheitliche Methoden“ spezialisierte Tierärztin ein Buch gestellt, in dem sie mit ihrer Kollegenschaft hart ins Gericht geht. Deshalb und wegen einer möglichen Fehlbehandlung eines tumorerkrankten Katers fasste die mittlerweile pensionierte Veterinärin eine Disziplinarstrafe aus. Einen Teil davon konnte sie nach einer Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) bereits loswerden.

 

„Treiben Tiere in Krankheiten“

Sie wolle „Missstände aufdecken, die durch Ignoranz, Unwissenheit und willentliches Abzockertum tagtäglich tausendfach in den Tierarztpraxen geschehen“, schreibt Jutta Ziegler in ihrem Buch „Hunde würden länger leben, wenn . . .“, das als „Schwarzbuch Tierarzt“ bereits in der 8. Auflage erschienen ist. Ihr sei, so setzt Ziegler ihre (Selbst-)Kritik fort, „immer mehr bewusst geworden, wie wir Tierärzte durch falsche Informationen, die vor allem die Ernährung unserer Hunde und Katzen, das viel zu häufige Impfen, die übermäßige Verwendung von Antibiotika und zu vieler chemischer Medikamente generell betreffen, unsere Patienten geradezu in chronische Erkrankungen hineintreiben“. Praktischerweise betreibt Ziegler auch „Naturfutterlädchen“, in denen Tiernahrung zur ausgewogenen Ernährung und zur Erhaltung der Gesundheit feilgeboten wird.

Das schmeckte der Tierärztekammer alles nicht so gut: Ihr Disziplinarsenat warf der Veterinärin vor, das Ansehen des Standes der Tierärzte herabgesetzt zu haben (obwohl die sieben Vorauflagen des Buchs unbeanstandet geblieben waren). Immerhin hatte sie auch von Kollegen geschrieben, „die Patientenbesitzer schon beim Betreten der Praxis abwägend betrachten, was sie diesen alles an Medikamenten, Diagnosen und Therapien andrehen können, und sozusagen schon die Euros blitzen sehen“. Außerdem wurde Ziegler zur Last gelegt, eine unzulässige Fernbehandlung durchgeführt zu haben: Sie hatte der Besitzerin eines Katers, der unter einem Tumor gelitten hatte, ein Medikament geschickt, ohne das Tier untersucht zu haben. Die Einnahme führte zu einer Blausäurevergiftung, die intensivmedizinisch behandelt werden musste.