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Pizzicato

Gesucht: Frühling (m/w/d)

Über das Wetter sollte man nicht schimpfen, am Wochenende hatte es ja sogar 30 Grad. 15 am Samstag und 15 am Sonntag. Wenn man dieser Tage etwas Blaues sieht, ist es freilich nicht der Himmel, sondern ein getestet-geimpft-genesenerLokalgast.

Dem Kanzler ist trotzdem schon so warm, dass er die Maske ablegen will. Zumindest sagte er dies nach bestem Wissen und Gewissen aus. Der Gesundheitsminister mückt dagegen auf und möchte weiter Maske tragen. Aber auch er hält das kalte Wetter für entbehrlich, schließlich muss man seine Sneakers bei Regen schon sehr gut imprägnieren. Die Opposition sagte wegen des Wetters sogar ihr Picknick ab, weil sonst das Chipssackerl nass geworden wäre. Der Bundespräsident mahnte Regenten und Opposition, die Institutionen Sonne und Regen gleichermaßen zu achten. Van der Bellen hat leicht reden, er ist der Einzige, bei dem bisher ein Sommer-Feeling aufkommt. Aber auch nur, weil sein Hund Juli heißt.

Der Rest von uns muss Anleihen bei einer Karl Valentin zugeschriebenen Weisheit machen: „Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ Und vielleicht liegt der miese Frühling ja nur daran, dass auch der Wettergott im Home-Office ist. Er könnte aber nun langsam damit aufhören, auf seinem Laptop ständig die es-Shift-Taste zu drücken.

Reaktionen an: philipp.aichinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2021)