Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Abenteuerlich

Nachtreise mit Messer und Fußtritt

Wer nächtens reist – egal, ob mit dem Auto, Flieger oder Zug –, kann so einiges erleben. Und erzählen.

Der Tag ist das Synonym für Arbeit. Als Reisende in der Fremde inte­ressiert uns daher die Nacht oftmals mehr als der Tag. Ich hab es ja leicht. Für mich herrscht Nacht, sobald ich die Augen schließe. Kaum sitze ich in einem Flugzeug, fallen mir die Augen zu, ich versäume den Start, versinke in meiner privaten Nacht. Diese Fähigkeit, ideal für den reisenden Beruf, bringt Nachteile mit sich: Auch längere Busfahrten durchstehe ich nicht im Wachzustand. Einmal verschlief ich sämtliche Fjorde zwischen Narvik und Oslo – das ärgert mich noch heute. An jenem 22. Juni hatte ich in der Vornacht die Mitternachtssonne genossen, ein erdkundlich interessantes, aber letztlich betrübliches Schauspiel, denn worauf wartet man eigentlich? In anderen Weltgegenden wird es rascher dunkel, als man ein Einreiseformular ausfüllen kann. Nehmen wir äquatoriale Gebiete, in denen die Sonne mit der Entschlossenheit eines Lichtschalterab- und -anknipsers um 18 Uhr verschwindet und um sechs Uhr wieder aufpoppt. Abendstimmungen fallen in dieser enttäuschenden Versuchsanordnung unter den Tisch, die heißen Nächte vermitteln den Charme einer Höhlenexpedition. Dafür schwirren Insektengeschwader heran, verstörende Geräusche ausstoßend, um einen mit Haut und Haar zu verspeisen.