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Geschmacksfrage

Testessen im Heuer

Heuer am Karlsplatz
Heuer am KarlsplatzChristine Pichler
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Bloß keine abgegriffenen Erdnüsse, dafür zwei in einem: Das Heuer mit kleinen Tellern und großem Konzept.

Anglizismen sind ein Streitfall. Häufig (und oftmals auch völlig zu Recht) wird von treuen „Presse“-Leserinnen und -Lesern bekrittelt, dass die Redaktion ihnen in Artikeln fremdsprachige Vokabeln unterjuble und so deutschen Synonymen ihre Daseinsberechtigung abspreche. Was aber, wenn es gar kein deutsches Wort mit der passenden Konnotation gibt? Im umgestalteten Heuer am Karlsplatz schwebte Betreiber Andreas Wiesmüller erst der Begriff Barfood vor („Da denkt man doch sofort an abgegriffene Erdnüsse.“), aber auch Tapas trifft es nicht so ganz („Da erwarten sich Gäste Man­chego und Oliven.“). In Ermangelung eines besseren Wortes serviert man nun also „Small Plates“ im großflächigen Barbereich und auf der Terrasse des Lokals. Wiesmüller nahm die Coronazeit zum Anlass, das Gastronomiekonzept über den Haufen zu werfen. Die Gäste seien für die Drinks gekommen, als Restaurant habe man das Heuer nicht allzu ernst genommen.

Heuer am Karlsplatz
Heuer am KarlsplatzChristine Pichler


Das soll sich nun ändern, weshalb Wiesmüller Zwei-Hauben-Koch Markus Höller anheuerte. Der 46-Jährige hat die „klassischen Stationen, die man als Jungkoch halt so macht — Reinhard Gerer, Jörg Wörther und Konsorten“ —, in seiner Ausbildung absolviert, dann das Familienrestaurant im Salzkammergut aufgezogen und zuletzt im Artner am Franziskanerplatz gekocht. Da dem Koch bei allzu viel Gleichförmigkeit allerdings fad wird, musste ein ambitionierteres Projekt her. Die 250 Plätze im Heuer bieten da wohl genug Spielwiese, immerhin versucht man gleich zwei Gastrokonzepte unter ein Dach zu bringen. Dabei das Niveau hochzuhalten, wird wohl die gewünschte Herkulesaufgabe darstellen.

Die kleinen Tellergerichte (spannend etwa die mundgerechten Crispy-Beef-Tatar-­Bällchen) im Barbereich sind zum Teilen gedacht und sollen Fernweh schüren. Daneben wird ein Teil des Innenbereichs als (Achtung, Anglizismus!) Casual-Fine-Dining-Restaurant geführt, mit rein heimischer Küche und regionalen Zutaten, für die Höller sein Produzentennetzwerk aus dem Salzkammergut angezapft hat. Das Tatar von der Traunseer Reinanke auf Kohlrabi stimmt erfreulich frisch auf Kommendes ein, das Bauernhuhn aus dem Sulmtal mit krossem Häutchen, Sauerkirsche und Röstzwiebelsud schmeckt dann auch wirklich erbaulich heimelig. Etwas fad nur das Dessert mit Weißer Schokolade, Estragon und Birne, das kann aber leicht durch einen Cocktail ersetzt werden. Den Barbereich hat übrigens der ehemalige Loos-Bar-Chef Peter Kunz über. Also „cheers“ – beziehungsweise „wohl bekomm’s“ für alle Anglophoben.

Info

Heuer am Karlsplatz, Treitlstraße 2, 1040 Wien, Tel.: +43/(0)1/890 05 90,
Restaurant: Mo–So: 11.00–22 Uhr.

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