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Morgenglosse

Islam-Landkarte: Lassen wir die Moschee im Dorf

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SymbolbildREUTERS
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Dialogbereitschaft mit Muslimen sieht anders aus. Aber eine Sammlung öffentlich zugänglicher Daten auf einer Landkarte ist auch nicht der große Dammbruch.

Eigentlich ist die Islam-Landkarte, die Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) und die Dokumentationsstelle Politischer Islam am Donnerstag als Neuigkeit im Kampf gegen den sogenannten politischen Islam hervorzauberten, ein alter Hut. Schon 2012 hatte Religionspädagoge Ednan Aslan dieses Projekt mit Co-Finanzierung durch EU und Innenministerium online gestellt. Damals noch mit den Daten von rund 400 Vereinen und ohne stolze Präsentation durch ein Ministerium. Weitgehend unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit. Und als die Seite nach einiger Zeit wieder offline ging, wurde das nicht einmal groß registriert.

Mittlerweile sind es 623 muslimische Vereine und Einrichtungen in der Datenbank. Und flankiert von der Dokustelle und dem Auftritt der zuständigen Ministerin bekommt die Neuauflage (und mehr als das ist es nicht) der Islam-Landkarte plötzlich eine große öffentliche Wirkung. Wie kann es sein, dass gerade die Dokustelle politischer Islam diese Karte präsentiert, wo doch sogar Raab und Aslan betonen, dass nur ein kleiner Teil der auf der Karte genannten Muslime tatsächlich etwas damit am Hut haben? Und ist es nicht unverantwortlich, die Adressen und Kontaktdaten von friedlichen und unpolitischen Vereinen öffentlich zu machen - und sie damit der Gefahr auszusetzen, dass sie Ziel von islamfeindlichen Angriffen werden?

In Buchform gäbe es keine Aufregung

Nun, eine Landkarte, auf der öffentlich zugängliche Daten von Vereinen und Einrichtungen gesammelt werden - versehen mit Einträgen über ihre Tätigkeit, Akteure und Verbindungen in andere Länder -, ist nicht der große Dammbruch, als der sie von manchen gesehen wird. In Buchform gibt es derartige Sammlungen (etwa „Zwischen Gottesstaat und Demokratie: Handbuch des politischen Islam“ von Dunja Larise und Thomas Schmidinger) immer wieder, nur regt sich halt niemand darüber auf.

Aber natürlich ist eine solche Aktion wie die Islam-Landkarte, präsentiert unter dem Schlagwort „politischer Islam“, nicht unbedingt das, was man unter Dialogbereitschaft mit den Vertretern des Islam in Österreich zusammenfassen kann. Und die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) hat einen Anlass mehr, öffentlich darüber zu klagen, dass die Muslime des Landes von der Politik nicht als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen werden.