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Einspruch

Wo Rushdie und Handke Recht haben

Author Rushdie gestures during a news conference before the presentation of his latest book ´Two Years Eight Months and Twenty-Eight Nights´ at the Niemeyer Center in Aviles
Die Fantasie sei in Verruf geraten - so erklärt sich Autor Salman Rushdie die negativen Reaktionen der Literaturkritik auf seine Romane der vergangenen Jahre.(c) REUTERS (Eloy Alonso)
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Besser Selbstverteidigung als Mordfantasien: Es ist nicht peinlich, wenn Künstler (garstige) Kritik kontern.

Wer erinnert sich noch daran, dass Salman Rushdie in Europa zunächst nicht als Opfer von religiösem Fanatismus berühmt wurde, sondern als Romanautor? Acht Jahre, bevor Khomeini zum Mord an dem Schöpfer der „Satanischen Verse“ aufrief, bekam Rushdie den Booker Prize für seinen ausgezeichneten Roman „Die Mitternachtskinder“.

Doch Rushdie reüssiert nicht mehr. Seit Jahren folgt ein Verriss auf den anderen. In seinem neuen Buch „Languages of Truth“, einem Essayband, hat er eine Erklärung dafür: Der Trend zur Autofiktion habe das fantasievolle Schreiben abgelöst, die Einbildungskraft sei in Verruf. Der Imperativ „Schreibe, was du weißt“ erzeuge eine ängstliche, dumpfe Literatur.

Ich finde zwar, dass es auch ohne den westlichen Zeitgeist gute Gründe dafür gibt, Romane wie „Quichotte“ oder „Shalimar der Narr“ nicht gut zu finden. Aber mich beschäftigt Rushdies Intervention gegen seine Kritiker aus einem anderen Grund. Warum wirkt sie auf mich irgendwie peinlich?