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Kritik

Rektor der Uni Wien distanziert sich von Islam-Landkarte

Die Kritik an der am Donnerstag präsentierten „Islam-Landkarte“ der Dokumentationsstelle "Politischer Islam" reißt nicht ab.
Die Kritik an der am Donnerstag präsentierten „Islam-Landkarte“ der Dokumentationsstelle "Politischer Islam" reißt nicht ab.Screenshot "Islam-Landkarte"
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Das vom islamischen Religionspädagogen Ednan Aslan ins Leben gerufene Projekt sorgt abermals für Verstimmung: Rektor Heinz W. Engl untersagt die Verwendung des Logos der Uni Wien.

Eine Landkarte, auf der 623 muslimische Einrichtungen in Österreich verzeichnet sind, wurde am Donnerstag von Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) und der Dokumentationsstelle Politischer Islam präsentiert. Es handelt sich dabei um ein Forschungsprojekt der Universität Wien - von dem sich deren Rektor, Heinz W. Engl, nun allerdings distanziert.

„Im Zusammenhang mit Meldungen zu einer 'Islam-Landkarte' distanziere ich mich insbesondere vom 'Impressum', in dem zur Meldung von 'Informationen zu einzelnen Vereinen oder Moscheen' aufgefordert wird“, teilte Engl am Freitag auf der Homepage der Hochschule mit. Und präzisierte: „Da dort auch darauf hingewiesen wird, dass die Berichte und Informationen nicht für inhaltliche Positionen der Universität Wien stehen, habe ich die Verwendung des Logos der Universität Wien untersagt.“ 

IGGÖ: „Befeuert Rassismus"

Zuvor übte die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) heftige Kritik an der Landkarte. Die Bundesregierung verfolge damit „die evidente Absicht“, teilte sie am Freitagabend in einer Aussendung mit, pauschal alle in Österreich lebenden Muslime „als potenzielle Gefahr für die Gesellschaft und demokratische Rechtsordnung im Land" zu stigmatisieren. Die Kampagne befeuere Rassismus und „setzt muslimische BürgerInnen einem massiven Sicherheitsrisiko aus“ - eine Befürchtung, die auch der Vorsitzende der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ), Adis Serifovic, am Freitag im Ö1-"Mittagsjournal" äußerte. Da auch Jugendvereine und Kinderorganisationen mit Privatadressen verzeichnet seien, warnte er vor rassistischen Anfeindungen und Übergriffen.

Außerdem sei die IGÖÖ von Anfang an nicht in das Projekt einbezogen, eine „tatsächliche Dialogbereitschaft“ gebe es seit dessen Bestehen nicht, so der Vorwurf. Denn ganz neu ist das Projekt freilich nicht. Schon 2012 hatte das Institut für Islamische Religionspädagogik der Universität Wien eine solche Landkarte online gestellt. Damals lag die Zahl der angeführten Vereine zwar noch bei etwa 400, allerdings sorgte das vom islamischen Religionspädagogen Ednan Aslan ins Leben gerufene Projekt wie heute für Verstimmung. Der Grund: Manche Einrichtungen waren mit der Beschreibung, die sie erhalten hatten, unzufrieden.

Grüne laden zu rundem Tisch

Die Grünen betonten am Freitag in einer Aussendung, weder in das Projekt eingebunden noch im Vorfeld darüber informiert gewesen zu sein. Sie bezeichneten es als „kontraproduktiv": „Die Stigmatisierung der muslimischen Communities durch diese Liste ist massiv und aus unserer Sicht nicht dazu geeignet, zu einem besseren Zusammenleben beizutragen“, so Faika El-Nagashi, Integrationssprecherin der Grünen in einer Aussendung. Vor diesem Hintergrund werde sie zu einem runden Tisch laden, an dem auch Betroffene teilnehmen sollen. Denn für ein besseres Zusammenleben, so El-Nagashi, sei es notwendig, „mit muslimischen Communities in einen echten und ernsthaften Dialog zu treten."

(hell/bsch)