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Technologie

5G kann mehr als Telefonie und schnelles YouTube

Mobilfunkmast 5G
Mobilfunkmast 5G(c) imago images/Michael Gstettenbauer (Michael Gstettenbauer via www.imago-images.de)
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Ob Fernsteuerung von Industrierobotern oder Echtzeit-Feedback im Sport – Forscher von Salzburg Research beschäftigen sich mit Anwendungen für die 5G-Technologie, die heute noch Zukunftsmusik sind.

Wenn ein Kind überraschend über die Straße läuft, reagiert der Autolenker hoffentlich im Bruchteil von Sekunden und bremst. Bei selbstfahrenden Autos darf das nicht anders sein – im Gegenteil. Ein von Algorithmen gesteuertes Fahrzeug sollte im Idealfall noch schneller und präziser stoppen als der Mensch. Damit das funktioniert, braucht es extrem niedrige Reaktionszeit (Latenz), sodass die Informationen in Echtzeit übertragen werden.

5G – die fünfte Generation des Mobilfunks – ist eine Technologie, die eine solche gewährleisten kann. Oder zumindest in einigen Evolutionsschritten können soll. Derzeit verbindet man mit 5G vor allem mobiles Telefonieren und das schnelle Laden von YouTube-Videos. „Man muss den Marketingbegriff 5G von der dahinterstehenden Technologie unterscheiden“, sagt Peter Dorfinger, der Leiter des kürzlich eingerichteten 5G-Exploration-Space bei Salzburg Research. „Vieles ist noch gar nicht möglich, die Anwendungen entwickeln sich erst.“ Salzburg Research will mit seiner Forschungskompetenz bei dieser Evolution vorn dabei sein.

Anhand von konkreten Anwendungsfällen sollen die Eigenschaften des Netzes getestet, überwacht und deren Konfiguration optimiert werden. Dabei arbeitet die Forschungsgesellschaft mit der Universität Salzburg, der FH Salzburg und der Research Studio Austria Forschungsgesellschaft (Studio iSpace) zusammen. Getüftelt wird an vier Anwendungsfeldern, bei denen das 5G-Netz mit seiner riesigen Leistungsfähigkeit gebraucht wird, weil die bisherigen 4G-Netze nicht ausreichen.

 

Gehversuche in der Zukunft

So wird an der Fernsteuerung von Industrierobotern gearbeitet, an Echtzeit-Feedback im Sport, an Möglichkeiten von Virtual- und Augmented-Reality-Instrumenten bei der partizipativen Gestaltung des urbanen Raums oder an der Entwicklung eines 5D-Smart-Campus. Immer geht es darum, die Eigenschaften des Netzes für die jeweilige Anwendung zu optimieren.

Auch wenn 5G für schier unvorstellbare Leistungsfähigkeit steht, hat die Technologie doch Grenzen. Das Netz kann Daten in Echtzeit übertragen, weil die Latenzzeit im Idealfall nur eine Millisekunde beträgt. „Die niedrige Latenzzeit geht dann aber auf Kosten des Datendurchsatzes. Gleichzeitig den höchsten Datendurchsatz und die höchste Zuverlässigkeit zu erreichen ist technisch nicht möglich“, nennt Dorfinger die Herausforderung. „Deshalb muss man das Netz so konfigurieren, dass es für die jeweilige Anwendung optimiert ist. Das ist immer ein Kompromiss.“ Genau diese Optimierungen will er mit seinem Team erarbeiten.

„Es macht einen großen Unterschied, ob die Latenzzeit eine Millisekunde oder drei Sekunden beträgt“, sagt Dorfinger. „Bei einem YouTube-Video mag es egal sein, ob es etwas schneller oder langsamer lädt. Bei einem selbstfahrenden Auto entscheidet die Reaktionszeit im schlimmsten Fall, ob ein Unfall passiert oder nicht.“

Noch sind die Anwendungsfelder zum Teil in einem frühen Entwicklungsstadium. Das hängt damit zusammen, dass manche Technologien, die dafür notwendig sind, noch Zukunftsmusik sind. Wie beim Echtzeit-Feedback zu falschen oder schlampigen Bewegungen für Läufer. „Solche Technologien sind erst in Entwicklung, die gibt es noch nicht“, sagt Dorfinger. Wenn es dann so weit ist, will er startbereit sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2021)