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Am Herd

Die Macht von Teenagereltern ist begrenzt

Doc Martens
Doc Martens(c) imago/Runway Manhattan (Alexander C Luque)
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Vorbei die Zeit, da ein bisschen Pusten aufs zerschrammte Knie den Schmerz vergessen ließ. Über Kinder in der Pandemie und das Glück, das man manchmal braucht.

Manchmal mache ich einen Stoßseufzer. Wenn Marlene aus dem Haus tänzelt, sofern die schweren Doc Martens es zulassen, die sie so gern trägt, dass sie ihr mittlerweile fast von den Füßen fallen (und das will bei Doc Martens etwas heißen). Wenn sie vor dem Ausgehen summend vor dem Spiegel steht und routiniert den schwarzen Lidstrich zieht, der wieder voll im Trend ist („Würde mir das auch stehen?“, habe ich sie gefragt. „Nein, das betont nur die Falten um deine Augen“). Wenn sie in der Küche Zucchini schnipselt und eine ihrer asiatisch angehauchten Eigenkreationen zubereitet. Wenn sie von Freunden zurückkommt, sich zu uns aufs Sofa setzt und erzählt. Sie hat die Pandemie bis jetzt gut überstanden. Hoffen wir, dass das Schlimmste vorbei ist. Hoffen wir, dass nicht noch ein Winter kommt, der unsere Kinder ans Haus fesselt, an uns fesselt, wenn sie sich doch von uns lösen sollten.

Klamottenberge. Zwischendurch habe ich es schon mit der Angst zu tun bekommen. Rund um Weihnachten, da schlief Marlene schlecht, ein Migräneanfall jagte den anderen, sie aß wenig und in ihrem Zimmer legte sich eine Schicht von Klamotten, Mitschriften und leeren Chipspackungen auf die andere. Erst später hat sie mir gesagt, wie schwer sie sich damals konzentrieren konnte, wie häufig sie Arbeitsaufträge nicht abgab, wie sehr sie sich mit der Schule plagte. Wir haben versucht, ihr zu helfen, so gut es ging, aber ehrlich: Die Macht von Teenagereltern ist begrenzt. Vorbei die Zeit, da ein bisschen Pusten aufs zerschrammte Knie den Schmerz vergessen ließ. Da ich sie mit einem kleinen Witz ablenken konnte. Vorbei die Zeit, da meine Arme, meine Stimme Wunderwaffen waren gegen kindliche Schmerzen aller Art.