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Gastkommentar

Öffnungen nicht auf Kosten der Jugend

Immer wieder wurden junge Menschen in der Pandemie als Gefahr dargestellt – jetzt sind sie selbst in Gefahr.

Seit wenigen Wochen gibt es Abwechslung in heimischen Medienberichten. Fotos von Intensivstationen sind Bildern von Politikerinnen und Politikern beim Kaffeetrinken oder gut besuchten Gasthäusern gewichen. Die aktuellen Öffnungsschritte erwecken den Eindruck, die Gefahren durch das Coronavirus seien vorbei und alles sei sicher. Aber das stimmt nur für einen Teil der Bevölkerung: den, der geimpft ist.

Junge Menschen haben das Nachsehen. Schließlich hat sich die Situation in Bezug auf das Coronavirus bis zum heutigen Tag für sie nicht verändert.

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Als gesetzliche Interessenvertretung hat sich die Bundesjugendvertretung (BJV) seit Beginn der Pandemie für die Öffnung und Bereitstellung sicherer Räume eingesetzt, in denen sich Kinder und Jugendliche treffen können. Darunter fallen Schulen oder Aktivitäten der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit. Nun gilt es, Kinder und Jugendliche vor Ansteckungen zu schützen und zu verhindern, dass das Infektionsgeschehen erneut zu einer Schließung der Schulen führt. Das bedeutet auch, dass junge Menschen so schnell wie möglich geimpft werden sollen.

Junge Menschen haben ihren Beitrag geleistet und sind in der Krise daheim geblieben. Ist es nun nicht ihr Recht, dass auch andere Teile der Gesellschaft zu ihrem Schutz beitragen? Seit Beginn der Pandemie wurden junge Menschen immer wieder als Gefahr dargestellt – jetzt sind sie selbst in Gefahr. Im öffentlichen Raum waren sie mit teils unverhältnismäßigen Strafen und Drohungen konfrontiert. Dass sie nur noch Zeit mit ihrer Familie verbringen, während die Schulen geschlossen waren, wurde vorausgesetzt. Während im Arbeitsbereich viel erlaubt war, waren Schülerinnen und Schüler hauptsächlich im Home Schooling. Viele, die im Coronajahr eingeschult wurden, wissen bis jetzt nicht, wie Schule in der Regel funktioniert. Die vorherrschende Ungleichheit hat sich so weiter verschärft: Wo Eltern über Zeit und Ressourcen für den Unterricht verfügen, geht der Bildungsweg geradlinig weiter, bei anderen jedoch steil bergab.

Immer wieder taucht in diesem Zusammenhang die Frage auf, ob junge Menschen überhaupt eine Lobby hätten. Es ist nun genau zwanzig Jahre her, dass in Österreich die BJV als gesetzliche Interessenvertretung aller unter 30-Jährigen verankert wurde. Sie vertritt nahezu drei Millionen Menschen. Ein wichtiges Detail ist aber entscheidend: Sie vertritt nicht drei Millionen Wählerstimmen. Letztlich ist die Wirkkraft einer Lobby stark von der politischen und finanziellen Macht ihrer Vertretungsgruppe abhängig, weshalb die BJV auch für die Wahlaltersenkung auf 16 Jahre gekämpft hat.

 

Neue Herausforderungen

Im vergangenen Jahr war die BJV treibende Kraft dafür, dass Sommerlager für Kinder und Jugendliche möglich waren und viele junge Menschen einen unbeschwerten Sommer genießen konnten. Dies ist auch ein Ziel im Jahr 2021. Dabei sind alle Beteiligten mit neuen Herausforderungen konfrontiert.

Alle wünschen sich den Weg zurück zur Normalität. Aber die Regierung muss darauf achten, dass dies nicht auf Kosten der Jugend passiert. Es darf nicht sein, dass Sommerlager, der Schulbetrieb oder wichtige Anlaufstellen für junge Menschen auf der Kippe stehen und sie die ersten sind, für die es wieder heißt: Tür zu, zu Hause bleiben. Zynischerweise könnte das genau dann passieren, wenn erstmals junge Menschen die Möglichkeit einer Impfung haben werden. Und dann werden sie sich zu Recht als vergessene Generation fühlen.

Sabir Ansari (geboren 1998) ist Student und Vorsitzender der Bundesjugendvertretung, der gesetzlichen Interessenvertretung aller Kinder und Jugendlichen in Österreich.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2021)