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Konjunkturprognose

Bank Austria erwartet vor allem 2022 kräftigen Aufschwung

Die Ökonomen der Bank Austria rechnen ab dem zweiten Halbjahr mit einer beschleunigten wirtschaftlichen Erholung in Österreich, erwarten aber speziell für 2022 einen kräftigen Aufschwung.

Nach 6,3 Prozent Rückgang im Vorjahr sollte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) heuer um 3,2 Prozent zulegen und kommendes Jahr um 5,4 Prozent, sagte Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer am Dienstag. Die Vorkrisenhöhe werde die Wirtschaftsleistung aber erst in fast einem Jahr erreichen, eventuell im ersten Quartal.

Nach Bundesländern betrachtet werde der Aufschwung recht unterschiedlich ausfallen - ebenso wie auch die Betroffenheit durch die Covid-19-Pandemie. Im ersten Quartal habe es noch einen BIP-Rückgang gegeben, das zweite Quartal werde aber schon positiv sein, so Bruckbauer. "Wachstumskaiser" werde 2021 Oberösterreich sein, wobei Tirol und Salzburg noch die größte Lücke gegenüber Vor-Corona haben würden, Kärnten und das Burgenland die kleinste.

OÖ heuer "Wachstumskaiser"

In Oberösterreich sorgt heuer vor allem die vom weltweiten Aufschwung begünstigte exportstarke Industrie für einen regionalen BIP-Zuwachs von 4,1 Prozent - in OÖ ist die Industrie zuletzt auch für ein Drittel des BIP verantwortlich gewesen, zum Vergleich: in Wien nur für 9 Prozent. Knapp danach werden Kärnten, Steiermark und NÖ mit BIP-Zuwächsen von 3,9 sowie 3,8 und 3,5 Prozent gesehen. Die geringsten BIP-Anstiege erwartet man für die tourismuslastigen Länder Tirol (+2,0 Prozent) und Salzburg (+2,2 Prozent), für Wien und Vorarlberg je +3,0 Prozent.

In Tirol und Salzburg war im Jahr 2020 die Wirtschaft mit -8,7 und -7,0 Prozent auch am stärksten eingebrochen - wegen der hohen Bedeutung von Beherbergung und Gastronomie für diese beiden Bundesländer. Auch die Steiermark litt mit -6,8 Prozent stark, am wenigsten das durch den Bausektor begünstigte Burgenland mit -4,7 Prozent und das von der Industrie profitierende Kärnten mit -5,0 Prozent. Wien verzeichnete 6,3 Prozent Minus.

Die Sparte Beherbergung und Gastronomie war voriges Jahr allein für fast 30 Prozent des Minus in der heimischen Wirtschaftsleistung verantwortlich gewesen, so Bank-Austria-Experte Walter Pudschedl. Den stärksten Einbruch der Wertschöpfung in Beherbergung & Gastro, die bundesweit um 35 Prozent zurückging, gab es dabei in Wien mit 59 Prozent - aufgrund des Ausfalls im Städtetourismus. Am schwächsten waren die Rückgänge von Beherbergung und Gastro in Kärnten (-21 Prozent) und Burgenland (-28 Prozent); am stärksten in Tirol und Salzburg.

Die Mehrzahl der Branchen erreicht 2021 noch nicht Vorkrisen-Niveau - die Marktdienste grundeln bei 96 Prozent herum, die Industrie dürfte 100 Prozent erreichen, der Bausektor sogar 106 Prozent - Österreichs Gesamtwirtschaft 99 Prozent. Nachzügler bleibe heuer wegen der langen Schließung der Sektor Beherbergung und Gastronomie, sagte Pudschedl. Doch auch Stahl/Metallwaren/Maschinenbau oder persönliche Dienste seien stark im Rückstand.

Die Arbeitslosenrate dürfte im Österreich-Schnitt heuer von 9,9 auf 9,2 Prozent sinken - am stärksten in Wien, mit gut 14 Prozent Arbeitslosenrate weiter Schlusslicht; in OÖ sind es nur 5,9 Prozent. 2020 erlebte Österreich mit 2,0 Prozent den stärksten Beschäftigungsrückgang seit der Finanzkrise 2009, damals waren es 1,5 Prozent. 2020 seien dadurch 80.000 Personen arbeitslos geworden, davon 87 Prozent im Dienstleistungsbereich (davon die Hälfte in Gastronomie und Beherbergung) und nur 12 Prozent in der Industrie, so Pudschedl. Am stärksten war der Beschäftigungsrückgang in Tirol (-4,3 Prozent) und Salzburg (-3,3 Prozent), in Wien schnellte die Arbeitslosenrate auf 15,1 Prozent.

Dass die Inflation nach den jüngsten Sprüngen nach oben jetzt größer sein oder länger anhalten wird, glaubt Bruckbauer nicht: "Wir sind keine Anhänger dieser Theorie." Man sehe das als Übergangsphänomen, das auch viel mit der Pandemie bzw. deren Ende zu tun habe. Der Aufschwung sei jetzt sehr stark und schnell gekommen, nachdem es schon 2019 fast eine Rezession, eine sehr schwache Wirtschaft gegeben habe. Schon vor Corona habe es einen Lagerabbau gegeben, der später weiterging. Der enorme Aufschwung im Güterbereich treffe nun auf leere Lager.

Das könne die extremen Anstiege der Preise von Rohstoffen, Energie und Vormaterialien erklären, so Bruckbauer. Die Statistik Austria hatte am Dienstag in ihrer Schnellschätzung für Mai eine Teuerung von 2,8 Prozent errechnet, den höchsten Wert seit Anfang 2012. In Deutschland liegt die Rate mit vorläufig 2,5 Prozent fast auf einem 10-Jahres-Hoch. Für Österreich geht die Bank Austria für heuer im Schnitt von 2,2 Prozent Inflation aus, für 2022 von 2,0 Prozent.

 

 

(APA)