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Ölpreis

Dieser Ölpreis freut vor allem das Förderkartell

Der Ölpreis ist hoch wie seit Langem nicht mehr.
Der Ölpreis ist hoch wie seit Langem nicht mehr.
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Der Preis für das schwarze Gold ist so hoch wie seit Langem nicht mehr. Der Konjunkturoptimismus treibt die Nachfrage an. Eine ideale Situation für die heute tagende Opec+.

Es war eine Frage der Zeit, bis der Ölpreis für die in Europa relevante Nordseesorte Brent die Marke von 70 Dollar je Barrel (159 Liter) überwinden würde. Am gestrigen Dienstag schließlich durchbrach er sie nach oben und stieg im Tagesverlauf um gut zwei Prozent gleich einmal auf über 71 Dollar. Die Notierung für die maßgebliche US-Sorte WTI kletterte prozentuell noch etwas stärker um rund drei Prozent auf über 68 Dollar. Das war der höchste Binnentages-Stand seit Oktober 2018.


Der Preisanstieg vollzog sich vor dem Hintergrund, dass sich am heutigen Dienstag die Energieminister der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und ihrer Alliierten (Opec+), allen voran Russland, zu Beratungen über ihre weitere Ölpolitik trafen. Das Ergebnis stand am Nachmittag noch aus.

Lagerbestände sanken

Im Vorfeld war erwartet worden, dass die Opec+, die ja im Vorjahr zur Stabilisierung des abgesackten Ölpreises die Förderung gedrosselt und später eine sukzessive Förderausweitung beschlossen hatte, nun diese Ausweitung fortsetzen würde.


Die Stimmung auf dem Treffen „dürfte ziemlich ausgelassen sein“, beschrieb Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank die Lage. Er verwies auf eine Schätzung von Opec-Experten, dass die Lagerbestände in den OECD-Ländern bis Ende Juli unter den Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 fallen dürften.


Laut Weinberg ist es zwar wahrscheinlich, dass die Opec+ vorerst an den bisher beschlossenen Erhöhungen der Fördermengen im Juni und Juli festhält und keine zusätzliche Produktionsausweitungen ab August beschließt. „Jedoch könnte ein zunehmend angespannter Markt eine kurzfristige Überarbeitung der Vereinbarung erforderlich machen“.
Die Lage auf dem Ölmarkt ist tatsächlich zunehmend angespannt und vor allem uneindeutig. Dies vor allem deshalb, weil derzeit gegensätzliche Entwicklungen stattfinden.


Uneindeutige Situation


Einerseits spricht die günstigere Coronalage in den USA, China und weiten Teilen Europas für eine deutlich höhere Erdölnachfrage. Eben erst haben Konjunkturdaten aus der Eurozone für eine positive Überraschung gesorgt.


Andererseits ist das Faktum nicht zu übersehen, dass viele asiatische Länder und einige südamerikanische Staaten mit neuen Coronawellen konfrontiert sind.


Davon abgesehen finden freilich auch andere Faktoren statt. So steht die Frage im Raum, wie sich die Atomverhandlungen mit dem Iran entwickeln. Davon hängt nämlich ab, ob das OPEC-Land weniger Sanktionen unterliegt und seine Ölexporte steigern kann, was dann zumindest eine gewisse Erleichterung auf den Markt bringt. Zuletzt war eine Einigung mit dem Iran wieder weniger wahrscheinlich geworden.


Absurder, neuer Faktor


Es gibt freilich noch ein anderes Moment, das den Markt massiv zu beeinflussen beginnt und „zu einem übermäßigen Ölpreisanstieg in den nächsten Jahren führen könnte“, wie Weinberg schon in der Vorwoche schrieb. Und zwar die ökologisch motivierten Attacken auf Ölkonzerne, um diese zu einer Abkehr vom Öl zu bewegen. Interessanterweise hat auch die Internationale Energieagentur (IEA) soeben empfohlen, alle Investitionen in neue Ölprojekte einzustellen, damit bis 2050 die Klimaneutralität erreicht wird. Und das, obwohl dieselbe IEA neulich einen mittelfristigen Anstieg beim Verbrauch vorhersagte. Das sei widersprüchlich und riskant, so Weinberg gegenüber der „Presse: Die ökologische Zeitenwende führe zu einer absurden Situation.

(Ag./est)