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Personalia

FPÖ sucht Obmann: Nepp, Kunasek, Haimbuchner winken ab

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Nicht mehr ganz so harmonisch war die Stimmung in letzter Zeit zwischen Norbert Hofer und Herbert Kickl wie in 2019.
Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Nicht mehr ganz so harmonisch war die Stimmung in letzter Zeit zwischen Norbert Hofer und Herbert Kickl wie in 2019.(c) REUTERS (LISI NIESNER)
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Norbert Hofer hat mit seinem Rücktritt die freiheitlichen Landeschefs überrascht - vor allem einen. Politologe Thomas Hofer ortet gar einen „Kollateralschaden für das Anti-Kickl-Lager“. Die beiden Parteigranden waren am Mittwoch um versöhnliche Worte bemüht.

In den nächsten Wochen, Monaten und Jahren zähle Geschlossenheit, fand der überraschend zurückgetretene FPÖ-Parteichef Norbert Hofer am Mittwoch via Facebook versöhnliche Worte für seine Partei. „Damit die FPÖ auch weiterhin positiv in die Zukunft blicken kann. Darum bitte ich Euch, liebe Freunde. Wer auch immer meine Nachfolge (...) antreten wird, hat dieselbe Unterstützung verdient, wie auch ich sie von Euch bekommen habe.“ Die seinem Abgang vorangegangene Auseinandersetzung mit Klubchef Herbert Kickl nannte er hingegen nicht (mehr) als Grund für seine Entscheidung. Am Vortag klang das gegenüber „Österreich“ noch anders: „Ja natürlich. Ich lasse mir nicht jeden Tag ausrichten, dass ich fehl am Platz bin."

Fast zeitgleich richtete Kickl umfassende Dankesworte in Hofers Richtung. Dieser habe sich an vorderster Front für die Partei eingesetzt - „all das hinterlässt auch beim Stärksten Spuren“, so Kickl. Es sei bewundernswert, wie Hofer „all das in Verbindung mit den gesundheitlichen Folgen seines schweren Unfalls bewältigen konnte – und dabei im positivsten Sinne enorm wichtige Kapitel der freiheitlichen Erfolgsgeschichte federführend geschrieben hat“.

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Svazek gegen „Doppelspitze 2.0"

Für die FPÖ bringe diese Entscheidung nun die Notwendigkeit mit sich, eine innerparteiliche Weichenstellung vorzunehmen. Er selbst werde seinen Beitrag „selbstverständlich leisten“, schrieb Kickl weiter und wiederholte: „Darauf könnt ihr euch verlassen!“ Unterstützung dafür, wenn auch eher verhaltener Natur, erhielt er bereits aus der burgenländischen Landespartei, aus der Hofer kommt. Landesparteiobmann Alexander Petschnig sah den Grund darin, dass sich die FPÖ in den Umfragen wieder erholt hat, in der „kantigen Oppositionspolitik, die mit dem Namen Kickl in Verbindung steht“. Der neue Kärntner Obmann Erwin Angerer sagte, man müsse die Situation bewerten und dann eine Entscheidung treffen: „Aber wenn Kickl die Partei übernehmen will, halte ich ihn für einen möglichen Obmann." Auch der Tiroler Markus Abwerzger wünschte sich Kickl zumindest als interimistischen Obmann.

Salzburgs Parteiobfrau Marlene Svazek nannte Kickl „die logischte Variante“. Die zweite Variante wäre, dass sich jemand anderer ins Spiel bringe, so Svazek gegenüber Ö1, „aber dann hätten wir eine Doppelspitze 2.0 und ich glaube, dass dieses Kapitel beendet ist."

Wohin gehört die FPÖ?

Wortreicher wandte sich Oberösterreichs Landesparteichef Manfred Haimbuchner an die Öffentlichkeit: Hofer hätte die Partei dorthin geführt, wo sie seinem Selbstverständnis nach auch hingehöre - nämlich „rechts der Mitte, mit einer bürgerlichen Ausrichtung“, meinte er im Ö1-"Mittagsjournal": „Ich hoffe, dass es gut und anständig weitergeht - und vor allem verbindend.“ Das bedeute, dass man „das Einende vor das Trennende“ stelle und dass man bereit sei, Verantwortung zu übernehmen. „Und dass das Wiener Intrigenspiel ein Ende hat – von dem hab ich als Oberösterreicher nämlich genug“, so Haimbuchner. In der „ZiB“ um 13 Uhr fand er zur Frage nach Kickl als möglichen Nachfolge Hofers noch deutlichere Worte: „Nach derzeitiger Sicht würde ich hier eine offensive Unterstützung nicht kundtun. Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube, aber wenn es dann so ist, wie es ist, wird man es akzeptieren“, so der oberösterreichische Landesparteichef. Davor werde es aber noch Gespräche geben - und auch er werde seinen Beitrag leisten.

Dies bedeute allerdings nicht, dass er selbst kandidieren werde, bekräftigte er, er habe im Herbst in Oberösterreich Landtagswahlen und sei diesem Bundesland treu. Aber: „Ich werde Wien nicht aus den Augen verlieren. Aber Wien ist nicht immer so wichtig, da wäre es manchmal gescheiter, sich mit mehr Sachpolitik auseinanderzusetzen - dann hat man für andere Spielchen nicht so viel Zeit.“ Es sei nicht einfach, eine Persönlichkeit zu finden, die die Akzeptanz „quer durch alle Bundesländer" habe, so Haimbuchner. Norbert Hofer hätte diese grundsätzlich gehabt - „und war auch sehr erfolgreich“.

Nach Haimbuchner und dem Steirer Mario Kunasek winkte am Abend auch noch Wiens Landesvorsitzender Dominik Nepp ab. Nepp, der sich noch vor kurzem selbst ins Spiel gebracht hatte, lehnt nun im Gespräch mit der "Krone "(online) eine Kandidatur ab. Er geht davon aus, dass Kickl, der seine Bereitschaft dazu nicht gerade selten erklärt hat, auch der einzige Bewerber sein wird. Begeistert klingt Nepp ob dessen nicht unbedingt, als er gefragt wird, ob Kickl seine volle Unterstützung habe: "Das Wer-wen-Unterstützt, werden die Gremien ausmachen." Er würde anders formulieren, als Kickl das tue. Das werde man sich aber nicht über die Medien ausrichten.

Politologe: „Für Haimbuchner war Hofer bequem“ 

Bedeckt hielten sich bis dato die Freiheitlichen in Wien, Niederösterreich und der Steiermark. Sehr offen gab sich hingegen der Politikberater Thomas Hofer im Ö1-„Morgenjournal“: Kickl befinde sich für das Amt des Parteiobmannes „ganz eindeutig in der Poleposition“, meinte er. Allerdings habe Hofer mit seinem Agieren einen, „wenn Sie es so nennen wollen, Kollateralschaden für das Anti-Kickl-Lager“ hervorgerufen. Denn: Er habe nicht nur den Klubobmann vor vollendete Tatsachen gestellt, sondern auch Haimbuchner überrascht. „Für den kommt das zur Unzeit“, so der Experte, denn: Für den Oberösterreicher „war Hofer ganz bequem an der Parteispitze, denn er hat den eigentlichen Machtkampf, den es immer gegeben hat, zwischen Kickl und Haimbuchner verzögert“.

Haimbuchner, der nun im September Landtagswahlen zu schlagen habe, könne nun nicht aus der Deckung: „Er wird den Teufel tun und seinen Wählern signalisieren, dass er sich das (das Amt als Bundesparteiobmann, Anm.) für sich vorstellen kann“, sagte Hofer im ORF-Radio. Ein weiteres Problem: Während mit Hofer und Haimbuchner, die beide ein gemäßigtes Auftreten pflegen, auf lange Sicht eine Neuauflage von Türkis-Blau im Bund denkbar wäre, sei das mit Kickl - „auch wegen der persönlich gepflegten Abneigung zwischen ihm und Kurz - wohl nicht möglich.

(hell/bsch/APA)

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