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Covid-19

„Genetische Impfstoffe sind eine erste Notlösung“

Christoph Hardt / Action Press /
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Immunpathologe Rudolf Valenta glaubt, dass es Impfstoffe der alten Schule braucht, um den Kampf gegen das Virus zu gewinnen. Die Med-Uni Wien arbeitet daran.

Die Presse: Sie arbeiten an einem Impfstoff der alten Schule gegen Covid-19. Warum? Gehört die Zukunft nicht sowieso den neuen Vektor- und mRNA-Impfstoffen?

Rudolf Valenta: Wir arbeiten an einem Subunit-Impfstoff. Solche Impfstoffe sind seit Jahrzehnten im Einsatz, das heißt, es gibt jahrzehntelange Erfahrungen damit. Subunit-Impfstoffe erzeugen eine starke neutralisierende Antikörperantwort und eine eher moderate zelluläre Immunantwort. Bei den genetischen Impfungen, die jetzt im Einsatz sind, ist es umgekehrt.

Was bedeutet dieser Unterschied in der Praxis?

Dazu muss ich den Mechanismus erklären: Bei Subunit-Impfstoffen wird eine genau definierte Dosis von Antigen (Viruseiweiß) unter die Haut oder in den Muskel gespritzt und bleibt als Depot auch dort. Bei genetischen Impfstoffen – dazu zähle ich mRNA- und Vektor-Impfstoffe – wird dagegen nur die genetische Information des Antigens in Zellen eingebracht. Das heißt, der Körper muss selbst das Antigen produzieren – ähnlich wie bei einer natürlichen Infektion. Das bedeutet aber, dass ich die Menge des hergestellten Impfantigens nicht kontrollieren kann, und man setzt auch eine andere Art der Immunantwort in Gang. Wenn nämlich körpereigene Zellen Antigene herstellen, entstehen CD8-T-Zellen, die jene Körperzellen angreifen, die das Antigen herstellen. Das hat man bei Infektionen gesehen, und es ist anzunehmen, dass das auch bei genetischen Impfungen passiert. Diese Immunantwort kann sich gegen Muskelzellen, aber auch gegen andere Zellen richten, wenn sich das Antigen im Körper verteilt und von diesen Zellen produziert wird. Das kann eine Quelle von Nebenwirkungen sein, aber auch Immunkomplexe (Anm.: Komplex aus Antikörper und Antigen) können sich bilden, die im Körper zirkulieren und sich z. B. an Gefäßwänden ablagern, was dann z. B. selten, aber doch zu thromboembolischen Komplikationen führen kann.

 

Weiß man, warum manche Menschen starke Nebenwirkungen haben und sehr viele gar keine?