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Forschungsfrage

Warum zirpen Grillen im Sommer so laut?

Wenn Grillen zirpen, dann musizieren sie – gar nicht piano – mit den Flügeln
Wenn Grillen zirpen, dann musizieren sie – gar nicht piano – mit den Flügeln(c) imago images/MedienServiceM�ller (Medien Service Mueller I Oliver Mueller via www.imago-images.de)
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Wenn Grillen zirpen, dann musizieren sie – gar nicht piano – mit den Flügeln. Männchen sind meist „Rechtshänder“, sie reiben rechts an links.

Im Chor der Insekten sind an lauen Sommerabenden die Stimmen der Grillen jene, die den Takt angeben und die man am deutlichsten hört. Bis zu 50 Meter weit ist das Zirpen vernehmbar. „Mit diesem Werbegesang locken die männlichen Tiere, am Ausgang ihrer Erdtunnel sitzend, die Weibchen an“, erklärt Thorin Jonsson vom Institut für Biologie der Uni Graz. Er hat mit Wissenschaftlern der Universitäten Bristol und Lincoln (Großbritannien) kürzlich Ergebnisse dazu im Fachmagazin Frontiers in Ecology and Evolution veröffentlicht.

„Eigentlich“, so Jonsson, „handelt es sich nicht um ein Singen, sondern um ein Musizieren, denn die akustischen Signale werden mit den Flügeln statt mit Stimmbändern erzeugt.“ Obwohl Grillen zur selben Insektenordnung wie Heuschrecken zählen, sind ihre Flügel unterschiedlich gebaut. Damit hebt sich auch ihr Zirpen von dem anderer Heuschreckenarten ab. „Grundsätzlich entstehen die Töne, indem die Tiere mit der verhärteten Kante eines Flügels, dem Plektrum, an der Schrillleiste, einer mit Zähnchen besetzten Ader des anderen Flügels, reiben.“ Rund 95 Prozent der Grillen sind „Rechtshänder“: Sie reiben rechts an links – obwohl es auch andersherum möglich wäre, denn die beiden Flügel gleichen einander und verfügen beide über Strukturen, die den Ton verstärken, so wie die Klangkörper von Instrumenten. Sie schwingen jedoch leicht asynchron.

Laubheuschrecken fast unhörbar

„Das führt zu einer negativen akustischen Überlagerung, was aber bei der Frequenz von etwa fünf Kilohertz, mit der Grillen zirpen, nicht die Lautstärke beeinträchtigt“, sagt Jonsson. Deshalb, und weil diese Frequenz vom menschlichen Ohr gut wahrgenommen wird, hört man Grillen so laut – im Gegensatz etwa zu Laubheuschrecken. Jonsson: „Diese zirpen sehr hoch, an der Grenze zum Ultraschall. Manche bei uns nicht heimischen Arten toppen mit 150 Kilohertz sogar die meisten Fledermäuse.“ Bei derartigen Tonhöhen sind zwei Klangkörper nicht sinnvoll, da die asynchronen Schwingungen das Volumen so weit reduzieren würden, dass selbst Artgenossen kaum etwas hören könnten. Tatsächlich haben sich die zwei Flügel bei Laubheuschrecken im Lauf der Evolution unterschiedlich entwickelt: Nur einer verfügt über Resonanzstrukturen. Damit bleibt das Zirpen der Laubheuschrecken laut – wenngleich aufgrund der Frequenz für uns Menschen trotzdem fast unhörbar.