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Pizzicato

Land der Frühaufsteher

In „God's own country“ tragen die Bundesstaaten Beinamen, und im Wappen führen sie meist ein hehres Motto – gern in Latein und Griechisch.

Es verweist auf die Vorbilder der Gründerväter, was ihre Nachfahren indes oft nicht verstehen oder zu deuten wissen. Sonst hätten sie 2016 nicht gewählt, wie sie gewählt haben.

„Excelsior“ – höher hinaus – lautet folgerichtig das Credo des „Empire State“ New York, und auch in Kansas greifen sie nach den Sternen („Ad astra per aspera“). „Eureka“ verhieß der „Golden State“ Kalifornien einst nicht nur Goldgräbern. Washington DC verspricht Gerechtigkeit für alle („Justitia omnibus“), Virginia wiederum droht mit Tyrannenmord („Sic semper tyrannis“). Und in New Hampshire fassen sie ihre Philosophie auf Bumper Stickern und auf Autokennzeichen prägnant zusammen: „Live free or die.“

Unter Deutschlands 16 Bundesländern führt Sachsen-Anhalt ein stiefmütterliches Dasein. Wie in Baden-Württemberg („Wir können alles – außer Hochdeutsch“) sannen die PR-Profis auf einen pfiffigen Spruch. „Wir stehen früher auf“, ihr Slogan, brachte ihnen indes nur Häme ein. Später nannte sich die Heimat Luthers das „Land der Reformation“. Für die Landtagswahl hoffte das „Land der Frühaufsteher“ auf die Kraft der Aufklärung – und dass es am Morgen danach nicht mit einem Albtraum aufwachen möge. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

[RIEA9]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2021)