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Ludwig Scharinger: »Viele geben zu schnell auf«

Ludwig Scharinger Viele geben
(c) APA (ROLAND SCHLAGER)
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Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich über Macht, Verzicht und Mitstreiter.

Der Generaldirektor der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB OÖ) gehört zu den „Top-3-Netzwerkern“ in Österreich – so die Analyse des Netzwerk-Spezialisten FAS.research Austria. Dass Scharinger zu den einflussreichsten Menschen im Land gehört, ist leicht erklärt: Der Bankmanager sitzt in 32 Vorständen und Aufsichtsräten. Die RLB OÖ ist an rund 500 Unternehmen direkt und indirekt beteiligt. Zur Politik hält das bekennende ÖVP-Mitglied Scharinger ausgezeichnete Kontakte. „Mit Macht kann ich aber nichts anfangen“, sagt Scharinger im „Presse“-Interview. Dieses fand im Rahmen der Bundestagung der Jungen Wirtschaft letzte Woche in Linz statt.

 

Wir sitzen in Ihrem Büro im Zentrum von Linz. Wenn man aus dem Fenster blickt, sieht man eine Reihe von Unternehmen, bei denen Sie engagiert sind. Was bedeutet Macht für Sie?

Ludwig Scharinger: Ich bin ein gestaltender Mann. Mit Macht kann ich nichts anfangen, ich habe Gestaltungskraft.

Wie sind Sie zu dieser „Gestaltungskraft“ gekommen? In Ihrem Buch „Nach meiner Trompete“ schildern Sie, dass Sie aus einfachen Verhältnissen kommen.

Scharinger: Das ist auch die Grundlage. Ich stehe zeitig auf, bin bald im Büro, vielfach auch samstags und sonntags. Komme jeden Abend spät heim, nachdem ich fast jeden Abend entweder bei einem Kunden, einer Raiffeisenbank oder einem Betriebsjubiläum bin.

 

Gab es auf dem Weg dorthin etwas, auf das Sie verzichten mussten?

Scharinger: Wenn man so viel zu tun hat wie ich, muss man ständig auf etwas verzichten. Vor allem meine Frau muss auf viel verzichten. Aber sie ist oft bei Terminen am Abend mit.

 

Macht bedeutet Ihnen nichts, aber Sie haben mit „Mächtigen“ zu tun. Wie ist Ihr Zugang zu diesen?

Scharinger: Wichtig ist mir, dass, wenn ich in Kontakt komme, ich gestalten kann. Wenn ich bei einem Menschen, egal wo er wirtschaftlich steht, spüre, da kommt nichts, der hört nur zu und sagt „Ja“ und tut nichts, dann ziehe ich mich zurück. Dann der stiehlt mir nur die Zeit.

Wie unterscheiden Sie die „Zeitfresser“ von den Kontakten, die wichtig für Sie sind?

Scharinger: Es gibt Menschen, die können schnell folgen, haben eine intelligente Auffassungsgabe, mit denen kann man schnell etwas vereinbaren. Und es gibt Menschen, die wollen sich nur darstellen oder nur für ihre Zwecke ausnutzen. Diese versuche ich, so gut es geht, zu meiden.

Wie wichtig sind Werte für ein Netzwerk?

Scharinger: Uns hier in Österreich liegt dieses Fastfood-Leben nicht. Wir haben Kultur, eine Geschichte. Daher sind Werte natürlich wichtig. Ich bin sehr für Nachhaltigkeit, sehr für das Brückenbauen zwischen den Parteien.

In Oberösterreich scheinen Wirtschaft und Politik stärker miteinander vernetzt zu sein als in anderen Bundesländern. Wie funktioniert diese „Oberösterreich AG“?

Scharinger: Ja, das stimmt, und dazu leiste ich auch meine Beiträge. Sowohl in Richtung des Landes wie auch zur Stadt Linz. Ich habe die Eigenschaft, dass ich über die Parteien hinweg mit allen vernünftig reden kann.

100 Meter von hier entfernt findet im Design Center der Bundeskongress der Jungen Wirtschaft statt. Worauf sollen Jungunternehmer beim Aufbau von Netzwerken achten?

Scharinger: Zuerst muss er erkennen lassen, was er kann. Zweitens braucht man Mitstreiter, die man gewinnen muss. Allein bewältigt man in der heutigen Gesellschaft sehr wenig. Drittens sollte er eine einfache, klare Sprache sprechen, damit er verstanden wird. Das gibt Sicherheit, daraus resultiert Motivation. Die ist wichtig, weil viele Menschen zu schnell aufgeben und nichts zu Ende bringen.

 

Wie lange wollen Sie noch in Amt und Würden bleiben?

Scharinger: Ich bleibe weder im Amt, weil das ist kein Amtshaus, sondern ein dynamisches Unternehmen, und ehrwürdig bin ich auch nicht. Ich werde bis zum 70. Lebensjahr hier aktiv gestalten. Und wenn ich dann in Pension bin, wird mir sicher nicht fad werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2010)