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Schule

Der „lange Weg“ des Ethikunterrichts

zur Präsentation am Montag erschienen zahlreiche Gäste, unter anderen Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sowie die Vertreter der Religionsgemeinschaften in Österreich.
Zur Präsentation des neuen Ethikunterrichts erschienen am Montag zahlreiche Gäste, unter anderen Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sowie die Vertreter der Religionsgemeinschaften in Österreich.(c) imago images/SEPA.Media
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Nach 20 Jahren Schulversuch wird er nun Realität: Der verpflichtende Ethikunterricht für alle, die sich von Religion abmelden, startet ab kommendem Schuljahr – allerdings nur in der Sekundarstufe II.

„Es war ein langer Weg“, hieß es am Montag mehrfach. Damit gemeint war nicht nur die Liftfahrt bis unter das Dach der TU Wien in den Kuppelsaal zur Pressekonferenz, sondern vor allem der Weg zum verpflichtenden Unterrichtsfach Ethik für jene, die konfessionslos sind oder sich von Religion abmelden, das nach 20 Jahren Schulversuch als künftiges Pflichtfach präsentiert wurde. Es wird ab kommendem Schuljahr bundesweit an 922 Standorten eingeführt. Details dazu präsentierten Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), die Vize-Rektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH), Andrea Taschl-Erber, sowie die Vertreter der beteiligten Religionsgemeinschaften am Montag.

Bisher wurde Ethik an 233 AHS und BMHS als Schulversuch für jene angeboten, die konfessionslos sind oder sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben. Für diese Gruppe wird das Fach bundesweit ab Herbst verpflichtend und im Ausmaß von zwei Wochenstunden unterrichtet. Begonnen wird 2021/22 mit den neunten Schulstufen, im Jahr darauf folgen die neunten und zehnten usw. Der Ausbau wird 2024/25 (AHS) bzw. 2025/26 (BMHS) erreicht sein. Am Montag wurden dafür die entsprechenden Lehrpläne erlassen.

Ausgenommen bleiben vorerst aber die Polytechnischen Schulen und Berufsschulen. An Letzteren ist der Religionsunterricht in den meisten Bundesländern ebenfalls nicht verpflichtend. Von der SPÖ, den Neos und einem entsprechenden Volksbegehren wird hingegen ein Ethikunterricht „für alle“ gefordert (nicht nur für die von Religion Abgemeldeten).

Grüne: „Spielraum für Kooperationen“  

Faßmanns Modell zielt auf eine „Verflechtung“ zwischen Ethik- und Religionsunterricht ab: Einerseits soll ein eigens konzipiertes Lehramtsstudium Ethik die Qualität des Unterrichts garantieren. Andererseits soll auch der Religionsunterricht ethische Fragen behandeln. Dazu verpflichteten sich die Religionsgemeinschaften in einer gemeinsamen Erklärung. „Mir persönlich ist es wichtig, dass alle Schüler mit ethischen Fragen konfrontiert werden“, sagte Faßmann.
Der Ethikunterricht in der Sekundarstufe II sei ein „guter erster Schritt“, sagt die Bildungssprecherin der Grünen, Sibylle Hamann. Die neuen Lehrpläne, die sie mitverhandelt hat, seien „wirklich spannend“.

Langfristig will sie den Ethikunterricht jedoch in allen Schulstufen und -formen einführen. Das neue Lehramtsstudium findet Hamann „gut“. Denn es sei „problematisch“, wenn dafür eine zu große Zahl von Religionslehrern (mit Ethik als Zusatzqualifikation) eingesetzt würden. Weil beide Fächer gleichzeitig stattfinden werden, gebe es jedenfalls Spielraum für Kooperationen, etwa bei gemeinsamen Projekten und Exkursionen, sagt Hamann. „Ein guter Ethikunterricht kann auch eine positive Konkurrenz für den Religionsunterricht sein.“