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Religion

Das unsichere Geschlecht der Evangelisten

Nur die Hände und der flache Oberkörper mit den breiten Schultern lassen ahnen, dass hier ein Mann dargestellt ist: Johannes der Evangelist, gemalt 1504–1506 von Piero di Cosimo.Honolulu Museum of Art
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Ein Theologe vermutet hinter dem Evangelisten Markus eine Frau. Der feminine Johannes wiederum wird in den USA zum Transgender-Vorbild.

Kräftig gebaut, mit langem dunklen oder grauen Bart, in bestem Alter, oder auch als markanter Greis – so kennen wir den Evangelisten Markus aus der Malerei und Bildhauerei der letzten tausend Jahre, aus mittelalterlichen Büchern, von Statuen, Renaissance-Gemälden. Berühmt ist etwa Tintorettos Bild vom großen Markus und dem kleinen Johannes: Ersterer hünenhaft mit prächtiger schwarzer Haartracht, dem Betrachter ein muskulöses Bein entgegenstreckend, die Feder kühn führend wie ein Maler den Pinsel über ein Monumentalgemälde. Schräg hinter ihm – ein knabenhaft zarter Johannes. Von diesem, dem jüngsten der vier Evangelisten, gibt es viele Bilder, auf denen er androgyn bis ausgesprochen feminin erscheint. Bei Markus hingegen schien die Welt nie Zweifel zu haben an seiner Männlichkeit.