Verurteilter Ex-Konsumchef will Haft nicht antreten, beantragt Hausarrest. Er erhielt wegen des legendären „Plastiksackerl-Kredits“ zwei Jahre Haft, sechs Monate davon wurden unbedingt.
WIEN.Was Ex-Bawag-General Helmut Elsner (75) verwehrt wurde, könnte Ex-Konsum-Boss Hermann Gerharter (71) zugestanden werden: die Überstellung in den Hausarrest und damit verbunden die Überwachung mittels elektronischer Fußfessel.
Elsner, im Bawag-Strafverfahren erstinstanzlich zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt, sitzt bereits im vierten Jahr in U-Haft, Haftbeginn war Februar 2007. Ihm verweigerte der Haftrichter wegen Fluchtgefahr die (Penthouse-)Heimkehr samt Fußfessel (siehe auch S. 22). Bei Gerharter sieht die Sache anders aus: Er erhielt wegen des legendären „Plastiksackerl-Kredits“ zwei Jahre Haft (der Schuldspruch lautet auf Untreue), sechs Monate davon wurden unbedingt, der Rest auf Bewährung verhängt. Gerharter hatte im März 2003 auf Auftrag des damaligen Bawag-Generals Helmut Elsner knapp 561.000 Euro Bankgeld praktisch geschenkt bekommen – die Summe wechselte in einem Plastiksackerl bzw. einer Plastiktasche den Besitzer (auch Elsner wurde in dieser Sache verurteilt).
Bis zuletzt hatte Gerharter versucht, aus gesundheitlichen Gründen einen weiteren Haftaufschub zu erwirken. Das Wiener Oberlandesgericht lehnt dies aber ab. Es sieht keine Vollzugsuntauglichkeit. Nun will Gerharters Anwalt Manfred Ainedter sozusagen nach Plan B vorgehen. Und einen Fußfessel-Antrag stellen. Die Chancen damit durchzukommen stehen gut.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2010)