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Interview

Mittelmeer: „Das Massensterben geht weiter“

So sieht das neue Schiff aus, mit dem Ärzte ohne Grenzen in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste nach Schiffbrüchigen suchen will.(c) MSF/Avra Fialas (Avra Fialas)
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Laura Leyser, Österreich-Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen, über ein neues Rettungsschiff, die Bilder von ertrunkenen Kindern und die „Kriminalisierung“ der Retter.

In einem früheren Leben führte die Geo Barents seismische Untersuchungen durch. In den vergangenen Tagen kam das umgebaute Expeditionsschiff in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste an, wo die Crew nach Schiffbrüchigen sucht.

Die NGO Ärzte ohne Grenzen hat das Schiff vorerst für neun Monate gechartert, die Kosten dafür dürften sich auf bis zu zweieinhalb Millionen Euro belaufen.

Die Presse: Zuletzt war es eher ruhig um die Seenotrettung im Mittelmeer, jetzt wird wieder ein Schiff eingesetzt. Warum?

Laura Leyser: Das Massensterben im Mittelmeer geht weiter. Es ist dringend notwendig, dass so viele Boote wie möglich draußen sind. Seit Jahresanfang sind offiziell 640 Menschen ertrunken, wir gehen von einer sehr viel höheren Dunkelziffer aus. Ungefähr 10.000 Menschen wurden von der libyschen Küstenwache abgefangen und nach Libyen zurückgebracht, wo Bürgerkrieg herrscht. Der Bedarf an Seenotrettung ist stark.

Die Retter stießen auf politische Gegenwehr: Italien hat noch unter Innenminister Matteo Salvini vor Jahren Häfen blockieren lassen. Rechnen Sie wieder damit?