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Jahresbilanz

Stahlkonzern Voestalpine schreibt wieder Gewinne

BARBARA GINDL / APA / picturedes
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Die gute Nachricht: Im Vorjahr wurden trotz hoher Sonderabschreibungen 32 Millionen Euro verdient. Die Dividende wird auf 50 Cent je Aktie angehoben. Die schlechte Nachricht: Das neue Edelstahlwerk in Kapfenberg wird deutlich teurer.

Der Linzer Stahlkonzern Voestalpine ist im abgelaufenen Geschäftsjahr in die Gewinnzone zurückgekehrt. Unter dem Strich sei in dem bis Ende März laufenden Geschäftsjahr 2020/21 ein Gewinn von 31,7 Millionen Euro nach einem Verlust von 216,5 Millionen Euro erzielt worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Auf das Ergebnis drücken Sonderabschreibungen in Höhe von 197 Millionen Euro, die im Wesentlichen im zweiten Quartal angefallen waren. Die Aktionäre sollen nun eine höhere Dividende von 50 (20) Cent je Aktie erhalten.

Das operative Ergebnis (Ebitda) sank um vier Prozent auf 1,13 Milliarden Euro, lag aber in der Zielgröße von rund einer Milliarde Euro. Die Erlöse schrumpften um 11,4 Prozent auf 11,27 Milliarden Euro. Der Konzern, der unter anderem die Automobilindustrie mit hochfesten Karosserieteilen und Blechen beliefert, hat damit die Erwartungen übertroffen. Analysten hatten im Schnitt mit einem Umsatz von 11,28 Milliarden Euro, einem Ebitda von 1,07 Milliarden Euro und einem Nettoverlust von 55,88 Millionen Euro gerechnet. 

"Neben dem konjunkturellen Rückenwind lieferten vor allem unsere internen Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung einen entscheidenden Beitrag zum positiven Jahresabschluss - trotz Wirtschaftskrise verfügt die Voestalpine heute über eine höhere Liquidität und weniger Schulden als noch vor einem Jahr", erklärte Vorstandschef Herbert Eibensteiner.

Das abgelaufene Geschäftsjahr sei "von einem Wirtschaftseinbruch historischen Ausmaßes geprägt" gewesen. Im ersten Quartal 2020/21 sei die Nachfrage in beinahe allen Kundensegmenten massiv eingebrochen, ab dem zweiten Quartal verbesserte sie sich trotz neuerlicher Lockdowns in vielen Märkten und stieg kontinuierlich an. Vor allem die Automobilindustrie, die die Voest mit Stahlprodukten beliefert, "kehrte überraschend stark aus dem Coronatief zurück". Aktuell verzeichneten beinahe alle wichtigen Kundenbranchen des Konzerns eine "anhaltend hohe Nachfrage". In manchen Bereichen sei sogar "nahezu eine durch Nachholeffekte ausgelöste Überhitzung" feststellbar.

Die von der Krise besonders stark getroffene Öl- und Gasindustrie beginne sich schrittweise zu erholen. In der Luftfahrt dauert das aber wohl noch etwas länger - hier sei "bestenfalls eine leichte Verbesserung im Laufe des Geschäftsjahres 2021/22" zu erwarten. Der Geschäftsbereich Bahninfrastruktursysteme hingegen habe sich über den gesamten Jahresverlauf hinweg stabil entwickelt. Ein Allzeithoch beim Auftragseingang verbuchte das Segment Lagertechnik, das vom boomenden Online-Handel profitierte.

Angesichts der nun insgesamt positiven Nachfragesituation und der voraussichtlichen weiteren Erholung der Gesamtkonjunktur ist das Management zuversichtlich für das laufende Geschäftsjahr 2021/22 und rechnet mit einem wesentlichen Anstieg des Ebitda, das zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro erreichen soll. Wichtige Wachstumsimpulse würden auch von den billionenschweren Konjunkturpaketen der EU und USA zur Belebung der Wirtschaft nach der Covid-19-Krise erwartet. Die Krise sei jedoch noch nicht überwunden. Trotz der Verfügbarkeit wirksamer Corona-Impfstoffe und einer steigenden Durchimpfungsrate seien die weitere Entwicklung der Pandemie und deren ökonomische Auswirkungen "noch nicht endgültig absehbar".

Edelstahlwerk wird deutlich teurer

Das neue Edelstahlwerk der Voestalpine im steirischen Kapfenberg, das Mitte 2022 in Vollbetrieb gehen soll, wird spürbar teurer als ursprünglich geplant und soll nun bis zu 420 Millionen Euro kosten. Aus heutiger Sicht sei mit einer Kostenerhöhung von 10 bis 20 Prozent gegenüber dem Investitionsplan von 350 Millionen Euro zu rechnen, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Corona und Lieferverzögerungen bei Anlagenlieferanten hätten zu Verzögerungen beim Bau geführt.

Auch die Inbetriebnahme erfolgt später als ursprünglich geplant. Der Vollbetrieb wird - wie bereits bei der Präsentation der vergangenen Quartalsergebnisse kommuniziert - Mitte 2022 erwartet statt bereits heuer. Das Projekt schreite nun wieder zügig voran, einzelne Schritte wie die Kaltinbetriebnahme erfolgten noch heuer, berichtete der Vorstand. Die jährliche Produktionskapazität in dem Werk soll bis zu 205.000 Tonnen Spezialstahl erreichen.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren sollten Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro in den Standort im steirischen Mürztal fließen - diese Summe erhöht sich mit der heutigen Bekanntgabe auf 535 bis 570 Millionen Euro.

Während rund eine halbe Milliarde in das neue Werk fließen, kam es quasi nebenan bei der Voestalpine Böhler Aerospace in Kapfenberg im vergangenen Jahr zu einem empfindlichen Personalabbau. Wegen der Nachfrageflaute während der Coronapandemie wurden dort 300 Stellen gestrichen. Auch der Öl- und Gasindustriebereich litt unter der Wirtschaftskrise. Das kostete beim Nahtlosrohrhersteller voestalpine Tubulars in Kindberg (ebenfalls in der Steiermark) 250 Jobs.

Insgesamt schraubt die Voestalpine ihre Investitionen im Geschäftsjahr 2020/21 um ein Fünftel kräftig zurück - das Volumen verringerte sich den Konzernangaben in der Bilanz zufolge um 21,2 Prozent von 777 Millionen auf 612 Millionen Euro. Neben dem Edelstahlwerk in Kapfenberg sei etwa am Standort Krems aufgrund des boomenden Onlinehandels im Bereich Lagertechnik in Schweiß- und Assemblierungsanlagen investiert worden.

Durch konsequentes Working Capital Management und geringere Ausgaben für Investitionen baute die Voest im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz Corona massiv Schulden ab. Die Nettofinanzverschuldung verringerte sich den Angaben zufolge von 3,8 Milliarden auf 2,7 Milliarden Euro - den niedrigsten Wert seit 2014/15. Das Eigenkapital blieb stabil bei 5,65 Milliarden Euro per 31. März 2021 (Jahr davor: 5,61 Milliarden Euro). Der Verschuldungsgrad verbesserte sich zu dem Stichtag von 67,2 auf 48,5 Prozent. Die Liquidität wurde trotz Wirtschaftskrise gesteigert. Der Cashflow aus der Betriebstätigkeit erhöhte sich deutlich von 1,3 auf 1,6 Milliarden Euro.

 

(Reuters)