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"Trojan Shield"

Internationaler Schlag gegen Drogenbanden: 81 Festnahmen in Österreich

News Bilder des Tages June 8, 2021, Australia: during Operation Ironside. Australian authorities announced Tuesday that
Australische Polizisten im Zuge der Großaktion, bei der weltweit mehr als 800 mutmaßliche Kriminelle festgenommen wurden.imago images/ZUMA Wire
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Heimische Ermittler nahmen im Rahmen der FBI/Europol-Aktion „Trojan Shield“ gegen das organisierte Verbrechen 81 Verdächtige fest, darunter einer der Kartell-Anführer.

Wien. 81 Festnahmen, 76 Hausdurchsuchungen, 707 Kilo sichergestellte Drogen sowie 35 Waffen und 650.000 Euro in Bar: Die Bilanz, die Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Justizministerin Alma Zadic (Grüne) am Mittwoch präsentierten, kann sich sehen lassen.
Dabei machen die Razzien der österreichischen Polizei nur ein kleinen Teil des internationalen Schlags gegen das Organisierte Verbrechen aus, das unter dem Namen „Operation Trojan Shield“ lief. Weltweit wurden mehr als 800 Verdächtige in 16 Ländern festgenommen wurden (die „Presse“ berichtete).

Es werde noch Monate dauern, bis die Experten alle Daten ausgearbeitet haben, betonte Nehammer. 13 Verdächtige sitzen seit Dienstag in Haft, berichtete Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien. Für diese wurde bereits die U-Haft beantragt. Im Lauf des Mittwochs wurden weitere 15 Verdächtige in die Justizanstalt Josefstadt eingeliefert, so die Behördensprecherin. Hier standen die U-Haft-Anträge noch aus.
Den Haupttätern wird Bussek zufolge internationaler Drogenhandel vorgeworfen. „Es geht um Kokain, Heroin und Marihuana in sehr großen Mengen.“

Der Schlag gegen die Kriminellen lief in Österreich unter dem Namen „Operation Achilles“. Schwerpunkte der Ermittlungen waren die Bundesländer Wien, Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg. Es wurden Observationen und Telefonüberwachungen sowie internationale Datenabgleiche durchgeführt. Am 7. Juni war dann „Action Day“, bei dem österreichweit 400 Ermittler und Mitglieder von Spezialeinheiten zum Einsatz kamen.

Drogenboss gefasst

Auf eine Festnahme ist Franz Ruf, Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, besonders stolz: Ein in Serbien wegen dreifachen Mordes gesuchter Mann konnte gefasst werden. Bei ihm fand man zudem zehn Kilo Heroin. „Er ist einer der Anführer der Syndikate“, sagte Ruf.
Auch die Entführung einer Person aus Serbien und deren schwere Misshandlung wurde geklärt: Ein Läufer, ein untergeordnetes Bandenmitglied, das bei der Organisation 2000 Euro Schulden hatte, sei in Wien in einen Keller verschleppt, mit einem Hammer malträtiert und schwer verletzt worden. „Das Ganze wurde mit einer Videoaufzeichnung dokumentiert. Man sieht darauf, wie dieses Opfer jammert und um Hilfe bittet“, schilderte Ruf. Dem Bruder des Opfers habe man zudem mit dem Umbringen gedroht.

Ein weiterer gesuchter Serbe, dem internationaler Suchtgifthandel vorgeworfen wird und der zusätzlich unter Mordverdacht steht, konnte in Österreich festgenommen werden. Zwölf Haftbefehle sind noch nicht vollstreckt, weil sich die Verdächtigen im Ausland aufhalten. Ruf zeigte sich zuversichtlich, auch die rasch zu fassen.

30 Kilo Kokain, 26 Kilo Heroin, 60 Kilo Streckmittel, 261 Kilo Cannabisharz und 390 Kilo Marihuana – all dies wurde bei den Razzien sichergestellt. „Der Straßenverkaufswert würde einen hohen Millionenbetrag ergeben“, so Ruf. Abgeschlossen sind die Ermittlungen noch lange nicht: „Man kann davon ausgehen, dass weitere Maßnahmen und Zugriffe im Bereich der Organisierten Kriminalität in den nächsten Tagen und Wochen vonstattengehen“, kündigte der Generaldirektor an.

Bei der Operation „Trojan Shield“ war Europol mit dem FBI federführend. Aus Österreich wurde ein leitender Beamte in die USA entsandt, zwei weitere Beamte zu Europol. „Die internationale Kooperation unserer Polizeibehörden ist ein wesentlicher Schlüssel bei der erfolgreichen Bekämpfung der Organisierten Kriminalität“, unterstrich Nehammer.

Kein Konnex zu Wien-Terror

Der Innenminister betonte, dass Ermittlungen gegen die Organisierte Kriminalität inzwischen – schon alleine wegen der Finanzierung – immer mit Terrorermittlungen einhergehen. Zu dem Terroranschlag im vergangenen Jahr in Wien wurden allerdings keine Verbindungen gefunden.
In mehr als 100 Staaten sollen die Täter aktiv gewesen sein. Über 18 Monate lang hatten internationale Ermittler Telefongespräche und andere Kommunikationswege der Banden abgehört. Mehr als 27 Millionen Nachrichten von 300 kriminellen Organisationen wurden gefiltert.
Zadic hob die ausgezeichnete Zusammenarbeit aller Behörden – national wie international – hervor. „Kein Land, keine Organisation kann mehr alleine vorgehen“, sagte auch Theodore Callimanis vom FBI.

(APA/twi)