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Aufs Land ziehen

Der Boom der Zoom-Towns

A athletic woman kayaking on Lake Pend Oreille in Sandpoint Idaho Sandpoint Idaho USA model relea
Früher ein Ziel für Sommerfrischler, heute die neue Wohnadresse für viele Telearbeiter: Lake Pend Oreille in Sandpoint, Idaho.(c) imago/Aurora Photos (Patrick Orton)
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Geringe Lebenshaltungskosten, Outdoor-Lifestyle und finanzielle Anreize locken immer mehr junge Amerikaner aus den überlasteten Großstädten und teuren Vororten aufs Land, in Zoom-Towns.

Dass Sandpoint in Idaho wirtschaftlich wirklich blühte, ist gut 100 Jahre her. Damals spülte die Holzfällerei und der Eisenbahnbau Geld in die kleine Stadt am Lake Pend Oreille. In den vergangenen Jahren kannte man Sandpoint am ehesten noch als Geburtsort von Sarah Palin, ehemalige Gouverneurin von Alaska, und eines Salatdressings - eines recht unbekannten Salatdressings. Moab in Utah musste nach dem Ende der Westernfilm-Ära auch mehr auf Tagesausflügler hoffen als auf echten Zuzug. Und Durango in Colorado galt vielleicht lange als beliebter Ausgangspunkt für die Jagd im Umland, aber nicht unbedingt als Wohntraum junger Karrieristen.

Was die drei naturreichen Städte verbindet, ist ein ungewöhnlicher Aufschwung. Sie zählen zu den neuen Lieblingsadressen junger Amerikaner, der sogenannten „Amenity Migrants“, der Wohlstandsmigranten. Von den stagnierenden Löhnen und steigenden Lebenshaltungskosten aus den großen Metropolen vertrieben, suchen sie nach neuen Plätzen mit Wald- und Seezugang. Und durch die pandemiebedingte Fernarbeit stellen Umzüge in andere Bundesstaaten kein großes Hindernis mehr dar.

Eine Studie des Pew Research Center ergab, dass einer von 20 US-Erwachsenen als Reaktion auf die Covid-Pandemie umgezogen ist, ein Großteil von ihnen ist unter 30 Jahre alt und arbeitet im Home-Office. Viele von ihnen zog es aber nicht in die teuren Vororte, sondern ins Hinterland. Das neue Leben abseits der großen Städte wird nämlich gefördert.

Der Colorado Trail in der Zoom-Stadt Durango.
Der Colorado Trail in der Zoom-Stadt Durango.(c) imago/Aurora Photos (Kennan Harvey)

 10.000 US-Dollar und ein Fahrrad

2020 startete beispielsweise der Northwest Arkansas Council die Initiative Life Works Here, um Remote-Arbeiter aus den vollen Städten mit einem Geldanreiz von 10.000 US-Dollar und anderen Vorteilen, wie einem kostenlosen Fahrrad, für mindestens ein Jahr nach Northwest Arkansas zu locken. Bisher gab es 30.000 Bewerber.

Tucson in Arizona bietet Outdoor-Enthusiasten aktuell 7650 US-Dollar und verschiedene Waren und Dienstleistungen an, wenn sie in diese Richtung umziehen. Die ersten zehn Finalisten für die Remote Tucson Initiative, die bei Unternehmen wie Apple, Pfizer oder Facebook arbeiten, sind bereits umgezogen, 25 weitere sollen heuer noch folgen.

Kletterroute Two Bag Face in der Nähe von Fayetteville in North Carolina.
Kletterroute Two Bag Face nahe der Zoom-Stadt Fayetteville in North Carolina.(c) imago/Aurora Photos (Corey Rich)

Ascend West Virginia führte die Idee noch weiter. Die Teilnehmer der Migrationsinitiative erhalten nicht nur 12.000 US-Dollar für den Umzug in die teilnehmenden Städte des Staates, sondern auch ein Abenteuerpaket und einen kostenlosen Ausrüstungsverleih, um ein Jahr lang Paddeln, Klettern und Rafting in den umliegenden Appalachen gehen zu können. Mehr als 7000 Umzugswillige aus 50 Bundesstaaten und 73 Ländern haben sich bereits beworben. Die erste Kohorte von 50 Personen wird diesen Herbst im Zentrum von Morgantown ankommen. Das Ziel ist höher gesteckt, 1000 Remote-Arbeiter sollen in den kommenden fünf Jahren insgesamt umziehen.

Arches Nationalpark bei Moab in Utah.
Arches Nationalpark bei Moab in Utah.(c) imago images/MAY FOTO (MAY FOTO via www.imago-images.de)

Zukunft unbekannt

Schwer dürfte es allerdings sein, die langfristige Zukunft der boomenden Zoom-Städte vorherzusehen. Voraussetzung für die Migrationswelle ist, dass Unternehmen ihre Richtlinien für die Fernarbeit auch nach dem Abschwächen der Pandemie beibehalten. Nur so könnte die Verjüngung des ländlichen Raumes von Dauer sein. Eines hat sich bereits jetzt gezeigt, durch die neue Gentrifizierung stellen sich in manchen Gemeinden erste Probleme ein, die man eher aus Städten kannte: volle Schulen und eine überlastete Infrastruktur. Wachstum braucht Zeit.