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Glosse

Hätten sie doch Whatsapp verwendet

Anom brachte fast 800 Verdächtige zumindest vorübergehend weltweit ins Gefängnis.
Anom brachte fast 800 Verdächtige zumindest vorübergehend weltweit ins Gefängnis.APA/AFP/OLIVIER MORIN
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Das FBI schleuste seit zwei Jahren Handys mit einer speziellen, angeblich besonders abhörsicheren App in kriminelle Netzwerke ein. Datenberge werden gespeichert. Apropos Troja: Das hätte selbst der österreichische Bundestrojaner nicht geschafft.

„Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes“. Genau: "Was es auch ist, ich fürchte die Danaer, auch dann, wenn sie Geschenke bringen“. So prophezeite der Priester Laokoon in Troja. Keine dubiosen Nachrichtenapps verwenden, deren Herkunft man nicht genau überprüft hat - so könnte man aus Mafiosi-Sicht die Lehren aus der jüngsten „Operation Trojan Shield“ ziehen.

Apropos Troja. Dem türkis-blauen Projekt des „Bundestrojaners" wurde vom Verfassungsgericht schon 2019 ein Ende gesetzt. Die staatlichen Behörden wollten sich mittels eigenem Programm Zugriff zur Kommunikation auf Plattformen wie Whatsapp, Signal und Telegram verschaffen. Dem Verfassungsgericht ging das selbst mit detailliertem Regelwerk - ab welchen mutmaßlichen Straftaten der Zugriff via Trojaner zulässig ist - zu weit.

Da ist es für die hiesige Polizei schon einfacher, wenn die Entschlüsselungsarbeit das US-amerikanische FBI übernimmt und Millionen von Nachrichten auf Servern im Ausland speichert und dann von österreichischen Beamten gesichtet werden. Statt dem „Bundestrojaner“ war es also die Operation „Trojan Shield“, die weltweit zu Hunderten Festnahmen führte und in Österreich zu 81.

Es ist allerdings natürlich ein Vergleich trojanischer Äpfel mit Birnen. Denn die manipulierten Apps, die in der kriminellen Szene dank Einsatz von Mafia-Influencern rasch zirkulierten, besorgten sich die Kriminellen selber - im Glauben die neueste Technik am Zenit der illegalen Kommunikation zu besitzen. Dass eine App auf Handys ohne weitere Funktionen wie GPS, Internet, Telefon zum Einsatz kam, daran war man gewöhnt: ähnliche Systeme gab es bereits in der Vergangenheit.

Und so bekam man in Österreich wieder einmal eines dieser oft zitierten Sittenbilder geliefert, diesmal aber aus der tatsächlich grausamen Welt des organisierten Verbrechens. Es macht nachdenklich, wie hierzulande per Chat Verbrechen, Deals und Bedrohungen geplant und koordiniert werden.

Dass die App namens „Anom“ jetzt aufgeflogen ist, löst wohl Paranoia bei den Clans und Banden aus. Das FBI wollte beweisen, dass es jederzeit die Kommunikation abhören kann. Doch werden die Nachrichten künftig dann nicht noch vorsichtiger geschickt? In Österreich jedenfalls, so scheint es, wäre Kommunikation auf Whatsapp sicherer gewesen.