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Staatsverschuldung

Euro-Länder sammeln vor EZB-Entscheid Milliarden bei Anlegern ein

Die südeuropäischen Staaten nutzten den Rückgang der Kreditkosten, um sich mit Geld einzudecken.  Große Nachfrage gab es nach Papieren Griechenlands.

Südliche Euro-Länder haben kurz vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) Milliarden am Finanzmarkt eingesammelt. Griechenland nahm am Mittwoch 2,5 Milliarden Euro bei der Emission einer zehnjährigen Staatsanleihe ein. Die Anleger rissen sich um das Papier: Die Gebote summierten sich auf 29 Milliarden Euro, wie die mit dem Schuldenmanagement beauftragte Finanzagentur in Athen mitteilte.

Erst am Dienstag hatte Italien zehn Milliarden Euro mit einer zehnjährigen Staatsanleihe eingenommen, wobei sich die Gebote der Investoren hier auf 65 Milliarden Euro beliefen. Portugal besorgte sich eine Milliarde Euro über Bonds mit Laufzeiten von sechs und zehn Jahren.

Die südeuropäischen Staaten nutzten den Rückgang der Kreditkosten, um sich vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der EZB am Donnerstag mit Geld einzudecken. Die Anleiherenditen in der Eurozone sind in den vergangenen Wochen stark gefallen, da Kommentare von EZB-Vertretern die Anleger darauf wetten ließen, dass die Währungshüter ihre Wertpapierkäufe wohl nicht verlangsamen werden. Sie hatten im zweiten Quartal ihr "PEPP" getauftes Notfall-Kaufprogramm gegen die Pandemie-Folgen hochgefahren, um der Konjunktur mit billigem Geld auf die Sprünge zu helfen und die Finanzierungskosten der Staaten niedrig zu halten.

Nun steht die Entscheidung an, wie es in den nächsten Monaten weitergehen soll. Den Leitzins, der auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, dürfte die EZB den Markterwartungen zufolge nicht antasten.

Strategiecheck wird beraten

Die Währungshüter  wollen Insidern zufolge in der kommenden Woche auf einem dreitägigen Treffen an einem Tagungsort in der Nähe von Frankfurt über ihren laufenden Strategiecheck beraten. Es werde das erste Mal sein, dass die 25 Mitglieder des EZB-Rates seit Beginn der Coronapandemie wieder physisch zusammenkommen, sagten vier mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

Ziel des Treffens sei es, erhebliche Fortschritte bei der laufenden Strategieüberprüfung zu erzielen. Es sei aber nicht sicher, ob das auch erreicht werde. EZB-Präsidentin Christine Lagarde will die Mitglieder des Rats jährlich zu einem solchen Treffen an einem Rückzugsort einladen, wie ein Sprecher der Zentralbank sagte. Dies sei aber wegen der Coronasituation bisher nicht möglich gewesen. Sollte die Pandemie-Lage es aber zulassen, solle ein Treffen in der zweiten Juni-Hälfte stattfinden. Lagarde hatte den EZB-Rat bereits 2019 kurz nach ihrem Amtsantritt zu einem informellen Austausch in ein Hotel in der Umgebung von Frankfurt eingeladen. In einer ungezwungenen Atmosphäre wollte sie damals Streitigkeiten im Rat über die Geldpolitik beilegen.

Im Zentrum des jetzigen Treffens steht die laufende Überprüfung der geldpolitischen Strategie. Kernstück ist eine Überarbeitung des mittelfristigen Inflationsziels von unter aber nahe zwei Prozent. Dieses verfehlt die Notenbank bereits seit Jahren, obgleich die Teuerung mit zuletzt 2,0 Prozent im Mai sogar über der Notenbank-Zielmarke lag. Die Währungshüter halten den momentanen Anstieg allerdings als Folge der Coronapandemie nur für vorübergehend. Aber auch andere Themen wie beispielsweise der Klimawandel spielen beim Strategiecheck eine wichtige Rolle. Lagarde hat sich auf die Fahnen geschrieben, dass unter ihrer Führung die EZB eine aktivere Rolle im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen soll.

(APA/Reuters)